Wenn Hundetrainer schlechte Tipps geben

Als Murdoch damals als Welpe bei uns einzog, hatte ich für ein paar Monate eine Hundetrainerin, die mir Tipps für die Hundeerziehung gegeben hat. Auch wenn ich damals glaubte, alles richtig gemacht zu haben: Im Laufe der Zeit habe ich natürlich festgestellt, dass einige der Tipps absoluter Schwachsinn waren und mit guter Bindung rein gar nichts zu tun hatten. Welche Fehler ich in Murdochs Erziehung gemacht habe, verrate ich dir im folgenden Artikel.

Zwar war ich damals, als Murdoch bei uns einzog, kein Anfänger in der Hundehaltung, aber nach ca. 12 Jahren mit meinem alten Hund Herr Dr. Schröder, bei dem einfach alles sehr routiniert und eingespielt ablief, hatte ich doch etwas Respekt vor der Erziehung eines Welpen. Deshalb habe ich mir für die ersten Monate eine Hundetrainerin geholt, die mich noch mal ein bißchen an die Hand nehmen und bei eventuell auftretenden Problemen beraten sollte. Ich hatte die Trainerin damals zwar mit sehr viel Sorgfalt gewählt, trotzdem stellte sich rückblickend heraus, dass einige ihrer Tipps nicht besonders zielführend waren.

Es geht gar nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern viel mehr um den Lernprozess und die Erfahrungen, die man im Laufe des Zusammenlebens mit dem Hund macht. Die Bindung zwischen Mensch und Hund ist ja ein großes Thema, vor allem als Mehrhundehalter. Deshalb reflektiere ich heute mal, welche Fehler ich bei Murdoch schon als Welpe gemacht habe, die auch heute noch Auswirkung auf unser Zusammenleben haben.

Anstubsen als Konsequenz für den, der nicht hören will

Dieser Tipp kommt ganz eindeutig von jemandem, der sich das ein oder andere von Cesar Millan abgeguckt hat. Ich selber sehe Cesar Millan ja ein wenig differenzierter als andere Hundehalter und verteufele nicht pauschal alles, was er von sich gibt, aber im Nachhinein betrachtet habe natürlich auch ich Fehler gemacht, die auf seinen Tipps basieren.

Ein ganz grundlegender Fehler ist das Anstubsen im Hals- oder Nackenbereich, das sozusagen als Konsequenz folgt, wenn der Hund nicht hören möchte. Sicherlich stimmt es, dass auch Hunde untereinander dieses Verhalten zeigen, wenn sie sich gegenseitig Grenzen klar machen. Jedoch habe ich beobachtet, dass Anstubsen unter Hunden nicht nur als Maßregelung genutzt wird, sondern auch für viele andere Dinge, z.B. als Spielaufforderung oder um die Aufmerksamkeit des anderen zu bekommen. Darüber hinaus setzen sich Hunde gegenseitig nicht so oft Grenzen, wie wir Menschen es versuchen. Dazu kommt es auch immer auf die Energie hinter dem Stubser an und damit haben wir Menschen bekanntlich so unsere Probleme.

Nun ist es ja, zumindest bei mir, so, dass ich gern einfache Anleitungen mag. Richtlinien und Abläufe, auf die ich zurückgreifen kann. So nach dem Prinzip Bedienungsanleitung. Deshalb habe ich also das Anstubsen in allen möglichen Fällen caniden Ungehorsams bei Murdoch verwendet, so wie meine Hundetrainerin es mir damals empfohlen hatte. Kommando geben, kurz warten und wenn es nicht umgesetzt wird, anstubsen um sich durchzusetzen. Ich bin nicht stolz darauf, aber es gab Zeiten, in denen ich so viel gestubst habe, dass mir die zwei Finger an der Hand schon fast zusammengewachsen waren. Das Ergebnis ist heute, nach 6 Jahren Zusammenleben mit Murdoch, nur sehr mäßig als erfolgreich zu beschreiben. Resultat ist nämlich, dass Murdoch Anstubser ignoriert und einfach weiter macht mit dem, was ich eigentlich nicht möchte. Er ist sozusagen resistent dagegen geworden, weil ich es inflationär verwendet habe.

Auch wenn es sicherlich vielen Hunden nichts ausmacht oder sie körperlich verletzt, wenn man sie anstubst, bin ich heute absolut kein Freund mehr davon. Ich glaube, dass es zwar in bestimmten Situationen angebracht sein kann, das Anstubsen als Konsequenz einzusetzen, allerdings sind das weitaus weniger Momente, als wir Menschen glauben. Das Problem ist ja auch, dass Murdoch wie gesagt immun gegen diese Art der „Bestrafung“ geworden ist. Die nächste Frage wäre also, wie kann ich das Anstubsen als Konsequenz noch steigern, wenn auch das nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Und darüber möchte ich gar nicht weiter nachdenken…

Beim Spaziergang nicht den Hund anschauen - er soll sich an dir orientieren, nicht anders herum

Als Murdoch in die Flegeljahre kam und begann, sich wie ein richtiger Rüde zu verhalten und bei den Spaziergängen immer weniger auf mich achtete, gab mir meine Hundetrainerin den Ratschlag, ihm unterwegs weniger Augenkontakt zu geben. Ihrer Meinung nach sollte der Hund lernen, sich an mir zu orientieren und nicht anders herum.

So rannte ich also wochenlang mit dem kleinen Stinker durch die Gegend und zählte die Male, wo er mich anschaute und ich ihn ignorierte. Und ich war stolz, wenn das Verhältnis scheinbar zu meinen Gunsten lag. Totaler Schwachsinn natürlich, denn statt die gemeinsame Gassirunde dazu zu nutzen, die Bindung zu meinem Rüpelrüden zu vertiefen, brachte ich ihm unabsichtlich bei, dass er unterwegs mehr oder weniger auf sich gestellt ist und ich mich nicht für das interessierte, was er tut.

Ich weiss im Nachhinein auch nicht mehr, warum ich diese Empfehlung der Trainerin nicht sofort hinterfragt und den Unsinn dahinter erkannt habe. Wenn man möchte, dass der Hund unterwegs mehr auf einen achtet, kann natürlich nicht absolute Ignoranz der Weg zum Ziel sein. Gerade in der Sturm- und Drangzeit erreicht man damit offensichtlich das Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte. Statt mich interessant zu machen und dadurch auf freundliche Weise seine Aufmerksamkeit zu bekommen, habe ich dafür gesorgt, dass Murdoch nur noch selbständiger wurde.

Glücklicherweise dämmerte es mir irgendwann und ich brach dieses „Training“ ab, um es durch etwas Sinnvolleres zu ersetzen. Ich begann, mich nach alternativen Trainingsansätzen umzuschauen und landete schnell bei Dingen, die den Spaziergang für mich und Murdoch spannender gestalteten.

Sich auf Entfernung durchsetzen

So ziemlich der letzte Tipp, den ich von dieser Hundetrainerin angenommen habe, war das Werfen von Dingen auf Distanz, wenn Abbruchsignale oder Kommandos ignoriert wurden. Keine Angst, es waren keine Rasselketten, Elektrohalsbänder oder andere Gegenstände, die den Hund verletzen können. Pakete mit Taschentüchern waren ein paar Tage lang meine Geheimwaffe. In der Theorie erklärte meine Trainerin es mir so:

Nehmen wir mal das hier als Beispiel: Du sitzt auf der Couch und der Hund kommt mit einem Gegenstand im Maul herein, der für ihn verboten ist. Du machst ein Abbruchsignal, das wird jedoch ignoriert. Eine Konsequenz muss folgen. Statt aufzustehen nimmst du die Packung Taschentücher und wirfst sie zum Hund. In den Augen der Trainerin denkt der Hund dann, man wäre so etwas wie Gott, weil man auch auf Distanz bestrafen kann. Dabei bringt der Hund die Taschentücher jedoch nicht mit dir in Verbindung, sondern nur mit seinem Fehlverhalten bzw. Ungehorsam und wird lernen, dass auf das ignorierte Abbruchsignal die Konsequenz einer höheren Macht folgt.

Macht Sinn, oder? NICHT! Natürlich sind Hunde intelligent genug, um zu verstehen, dass die Taschentücher von Herrchen oder Frauchen geflogen kommen. Die Blicke von Murdoch haben es mir verraten und dafür gesorgt, dass ich das ganz schnell wieder abgestellt habe.

Nicht jeder Hundetrainer hat wirklich Ahnung

Und die Moral von der Geschicht? Glaube deinem Trainer nicht! Zumindest nicht pauschal und ohne das Ganze zu hinterfragen. Denn die Ansätze in der Hundeerziehung sind so verschieden wie die unterschiedlichen Charaktere, die es sowohl bei uns Menschen als auch bei unseren Hunden gibt. Es ist nicht leicht, eine gute Hundeschule zu finden, die auf die individuellen Bedürfnisse von dir und deinem Hund eingeht. Trau dich, Methoden zu hinterfragen und genau zu schauen, ob sie dir und deinem Hund etwas bringen und euch an das gewünschte Ziel führen! Und nicht zuletzt: Vertraue deinem Bauchgefühl! Was sich falsch anfühlt, ist es meist auch. Und nur, weil jemand ein Stück Papier hat, auf dem „Hundetrainer“ steht, heißt das nicht, dass er auch der richtige für dich und deinen Hund sein muss.

Hast du schon mal Tipps von Hundetrainern oder in der Hundeschule bekommen, die absolut nicht zielführend waren und vielleicht sogar die Bindung zwischen dir und deinem Hund gestört haben? Verrate mir, welche Erfahrungen du gemacht hast und ob du Trainingsansätze gefunden hast, die mehr euren Bedürfnissen entsprechen. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, freue ich mich auch, wenn du ihn mit deinen Hundefreunden teilst.

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Schlechte Tipps vom Hundetrainer