Du hast einen Hund aus dem Tierschutz gerettet oder denkst darüber nach? Für dieses Vorhaben allein gebührt dir schon jede Menge Anerkennung. Denn es ist nicht immer einfach, Hunde mit einer Vorgeschichte in unser Leben zu integrieren. Besonders im Auslandstierschutz befinden sich viele großartige Hunde, die ein besseres Leben verdient haben. Aber es lohnt sich, diese Rettungsaktionen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Wird dein Tierschutzhund gerettet oder eher entführt?

Auslandstierschutz und seine Vor- und Nachteile

Die Rettung von Hunden aus dem Ausland ist nicht erst seit Corona ein großes Thema. Es gibt viele tolle Hunde, die in Rumänien, Griechenland, Thailand oder sonst wo auf der Welt auf ein liebevolles Zuhause warten. Viele davon sind sehr sozial, umgänglich und passen sich gern unserem Leben an. Einige jedoch sind davon weniger begeistert. Und um die soll es hier gehen.

Es ist nicht immer so, dass ein Hund von der Straße gerettet wird und nur knapp dem Tod entgeht, wenn er bei uns in Deutschland ein neues Zuhause findet. Der Handel mit Hunden aus dem Ausland kann durchaus auch ein lukratives Geschäft sein.

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Das Spiel mit dem Mitleid

Wenn du einen Hund suchst landest du zwangsläufig früher oder später auf der Seite einer x-beliebigen Tierschutzorganisation. Meist sitzt diese im Ausland und verfügt über unzählige Vierbeiner, die in Osteuropa oder den Mittelmeerregionen darauf warten, adoptiert zu werden. Mit Bildern von traurig blickenden Hunden hinter Gittern werden unsere Emotionen getriggert. Die Beschreibungstexte zu den Vierbeinern ähneln sich alle. Scheinbar ist jeder dieser Hunde verschmust, kinderlieb und sucht einfach nur ein liebevolles Zuhause.

Bilder und Texte, die schnell ins Herz gehen. Oft gibt es dann nur einen Wunsch: Den Vierbeiner, in den man sich verliebt hat, schnellstmöglich zu retten. Und wo Emotionen eine große Rolle spielen, setzt der Verstand schnell aus.

Viele dieser Hunde sind absolut nicht so, wie sie in den wenigen Zeilen angepriesen werden. Es gibt durchaus Vierbeiner, die NICHTS kennen und bislang mehr oder weniger auf sich selbst gestellt waren. Sie haben überlebt, indem sie sich in kleinen Gruppen oder Rudeln zusammen geschlossen und sich von Abfällen ernährt haben. Sie haben eine Eigenständigkeit entwickelt, die in den Händen von Anfängern schnell zu Problemen führen kann.

Doch hast du dich erst mal in den treuen Blick des Hundes verliebt, spielt alles andere keine Rolle mehr. Es ist schon erstaunlich, wie viele Vierbeiner in letzter Minute noch aus den Tötungsstationen gerettet werden konnten. Sicherlich stimmt diese Aussage in vielen Fällen, wirklich nachprüfen lässt sich das Verkaufsargument aber nicht.

Welpen aus dem Ausland retten?

Welpen, die auf der Straße geboren wurden, bringen genetisch bereits Voraussetzungen mit, die ihnen ein eigenständiges Leben in Freiheit ermöglichen. Sie brauchen keinen Menschen, der ihnen Futter gibt oder mit ihnen Gassi geht. Für sie stellt sich auch nicht die Frage, ob das Leben an der Seite eines Zweibeiners besser wäre. Sie leben im Moment und mit den Gegebenheiten, die sie um sich herum finden. Und viele von ihnen sind sogar recht glücklich mit einem freien und selbst bestimmten Leben.

Hast du dich auch schon mal gefragt, warum so viele Welpen im Shelter sitzen? Gerade in den osteuropäischen Ländern ist der Handel mit Welpen zu einem lukrativen Geschäft geworden. Das war auch schon vor Corona so, hat sich in den letzten zwei Jahren aber gewaltig entwickelt. Wenn seriöse deutsche Züchter keine Welpen mehr haben, man aber unbedingt ein süßes Hundebaby haben möchte, warum dann nicht eins aus dem Ausland. Günstiger sind sie meist auch noch und man hat das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

Welpen aus dem Ausland kommen nicht selten aus Massenzuchten, in denen die Tiere unter unwürdigen Umständen produziert werden. Nicht nur die Zuchtbedingungen sind unter aller Sau. Oft werden die Welpen viel zu früh von der Mutter getrennt und ohne anständige Papiere auf lange Transporte Richtung Westen geschickt. Wenn der Welpe bei dir ankommt, ist er nicht nur krank, sondern auch zutiefst verstört. Keine besonders guten Startbedingungen für ein glückliches Hundeleben in deinem Lieblingsrudel.

Die Probleme von Tierschutzhunden aus dem Ausland

Hunde aus dem Ausland stellen uns oft vor Herausforderungen, die in keinem Beschreibungstext erwähnt werden. Sie zeigen häufig Misstrauen, Angst oder gar Aggression gegen Menschen. Sie sind territorial, stark auf Futter fokussiert und sehen vielleicht gar nicht die Notwendigkeit, mit dir als neuen Besitzer zu kooperieren. Und das ist wahrscheinlich der schwierigste Punkt, vor dem du stehen wirst. Angst, Aggression und andere Problemverhalten lassen sich von erfahrenen Hundemenschen mit viel Arbeit therapieren. Jedoch bist du dabei auf die Kooperation und den Willen des Vierbeiners angewiesen.

Hunde, die bereits eine gewisse Zeit ihres Lebens auf der Straße gelebt haben, haben kein Konzept für menschliche Regeln und Verhaltensweisen. Sie kacken dir auf den Teppich, weil sie nicht stubenrein sind. Sie gehen über Tisch und Bänke, weil sie nie gelernt haben, wie man sich in einer Wohnung verhält. Sie schnappen oder beißen, um ihren Wünschen Nachdruck zu verleihen. Sie sind durchsetzungsstark, wild und freiheitsliebend. Kein Vergleich zu den domestizierten Vierbeinern, die wir in deutschen Tierheimen oder beim seriösen Züchter finden.

Liebe und Leberwurst allein werden dich bei solchen Hunden nicht weiter bringen. Im Zweifelsfall lässt er dich einfach stehen und macht, was er für richtig hält. Zu einem solchen Hund eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen, bedeutet jede Menge Arbeit, Geduld und vor allem Respekt. Hier hast du einen Partner auf Augenhöhe vor dir, der mit Kommandos und Hundeschule nur wenig anfangen kann. Beziehung zu Auslandshunden können ganz anders aussehen, als zu unserer normalen Fellnase.

Es gibt einfach Hunde darunter, die sich wie Wildtiere verhalten und schlichtweg kein Interesse an der Kooperation mit Menschen haben. Bei ihnen wirst du mit Erziehung nicht weiter kommen. Hier geht es eher um Zähmung. Mit diesen Vierbeinern wird es ein langer Prozess, bis sie zumindest einer Bezugsperson soweit vertrauen, dass sie in unserem Alltag händelbar sind. Natürlich ist das ein Extrembeispiel, aber man sollte durchaus darauf vorbereitet sein.

Gerade für Anfänger und unter der Voraussetzung, dass besagte Beschreibungstexte eher emotional ansprechen sollen als die Wirklichkeit zu zeigen, ist es eine Aufgabe, der nur die wenigsten Hundemenschen wirklich gewachsen sind. Wer einen normalen Familien- oder Begleithund sucht, sollte sich deshalb lieber im heimischen Tierheim umschauen. Auch dort gibt es viele Fellnasen, die ein neues Zuhause suchen und dieses auch zu schätzen wissen.

Fazit: Also jetzt doch kein Auslandstierschutz?

Ich möchte nicht generell gegen den Auslandstierschutz schießen. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass du auch hier mit Verstand an die Sache gehen solltest. Die oben beschriebenen Extrembeispiele sind sicherlich eher die Seltenheit. Dennoch stellt sich die Frage, wie der Hund die Adoption sieht. Wird er in ein schöneres Leben gerettet oder aus seiner geliebten Freiheit gekidnappt?

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