Calming Signals - Beschwichtigungssignale bei Hunden

Beschwichtigungssignale bei Hunden

Beschwichtigungssignale gehören zu den feinen Nuancen in der Hundesprache. Mit den sogenannten Calming Signals zeigt dein Hund, dass er nichts Böses will und für Entspannung sorgen möchte. Sie zu sehen wird dir helfen, deinen Hund besser zu verstehen und die Bindung zwischen euch zu verstärken. Welche das sind und wie sie gemeint sind, erfährst du in diesem Artikel. Im Youtube Video zeige ich dir außerdem ein paar praktische Beispiele.

Was sind Beschwichtigungssignale beim Hund?

Mit Beschwichtigungssignalen meint man Mimik und Gestik beim Hund, wenn er Spannungen abbauen und Konflikte vermeiden möchte. Definiert wurden sie von Turid Rugaas, die sie entdeckt und benannt hat. Dein Hund möchte damit in erster Linie sich selbst beruhigen, wenn er in einer für ihn stressigen Situation ist. Gleichzeitig sind sie aber auch dazu gedacht, dem Gegenüber zu signalisieren, dass er nicht auf Konflikte aus ist. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Hundesprache, den du kennen solltest.

Calming Signals sollen:

  • Konflikte vermeiden, Spannungen abbauen
  • vermitteln Freundlichkeit und dass man keinen Streit möchte
  • können in Stress umschlagen, wenn sie nicht funktionieren

Seit ich die Beschwichtigungssignale beim Hund kenne, sehe ich wie häufig Murdoch und Freya sie senden. Unfassbar wie höflich sie sind, aus ganzem Herzen gut. Nicht, wie ich manchmal denke, dass sie mir auf den Geist gehen wollen (wenn ich genervt und eh schon angespannt bin).

Warum gähnen Hunde?

Warum zeigen Hunde Beschwichtigungssignale?

Calming Signals sendet der Hund, wenn ihm eine Situation nicht geheuer ist. Auslöser kann ein eine ungewohnte Situation oder ein angespanntes Treffen mit Artgenossen sein. Doch auch uns Menschen gegenüber werden diese Signale oft gezeigt, ohne dass wir es bemerken. Der Grund dafür ist immer, dass irgendeine Distanz beim Hund überschritten wurde und ihm dies unangenehm ist.

Distanzen beim Hund

Wie wir Menschen, haben auch Hunde unterschiedliche Level von Distanzen, die für sie wichtig sind.

Die verschiedenen Distanzstufen sind:

  • Fluchtdistanz (wie nahe man heran kommt, bevor der Hund abhaut)
  • Kritische Distanz (Flucht ist nicht mehr möglich und Fluchtdistanz wurde unterschritten)
  • Individualdistanz (Abstand zu Lebewesen innerhalb einer Gruppe, die sich kennt)
  • wichtig den Unterschied zu kennen und Zeichen zu lesen, damit der Hund nicht in die Situation kommt, dass er sich verteidigen muss, kann sich in kritischer Distanz impulsiv entladen

Was bedeuten die Beschwichtigungssignale beim Hund

Lippen / Nase lecken

  • zeigen Hunde auch, wenn sie etwas gutes riechen oder Futter erwarten
  • kann auch aggressiv gemeint sein, dann meist kurz und schnell
  • zeigt, dass deinem Hund etwas unangenehm ist

Körper / Kopf abwenden

  • Anstarren bzw. Blickkontakt ist sehr unhöflich in der Hundesprache
  • den Kopf bzw. Körper abwenden ist das Gegenteil
  • soll entspannen und Konflikte vermeiden

Gähnen

  • kann bedeuten, dass der Hund müde ist
  • kann (wie bei uns Menschen) im sozialen Umfeld auftreten
  • wird oft als Übersprungshandlung gezeigt, wenn der Hund überfordert ist
  • soll als Beschwichtigungssignal aber auch Stress abbauen

Langsamer werden, Sitz oder Platz

  • wird von uns oft als Ungehorsam interpretiert, weil der Hund Kommando nicht schnell genug ausführt
  • nicht verwechseln mit Hinlegen und Anstarren bei Hundebegegnung, das ist eher ein Teil aus dem Jagdverhalten
  • auch in Kombination mit Bogen laufen, um Konfrontation zu vermeiden

Am Boden schnüffeln

Hund schnüffelt auf Wiese
  • wirkt stark deeskalierend
  • passiert auch oft, wenn wir ungeduldig nach Hund rufen
  • soll Friedfertigkeit zeigen und den anderen animieren, auch zu schnüffeln

Playbow / Vorderkörper-Tiefstellung

  • klassische Spielaufforderung kann aber auch Calming Signal sein
  • soll entschleunigen oder für kleine Pausen sorgen
  • soll zeigen, dass Spannungen nicht böse gemeint sind
Hund fordert zum Spielen auf

Splitten

drei Hunde liegen auf einer Wiese
  • zwischen zwei Kontrahent hindurch laufen
  • andere abdrängen und ablenken
  • entspannt meist die Situation zwischen zwei Hunden, so dass beide ihres Weges gehen können, ohne das Gesicht zu verlieren

Pinkeln / Markieren

  • Bestandteil friedlicher Kommunikation bei Hunden
  • animiert den anderen zu schnüffeln
  • bei mehreren Hunden auch Pinkel-Party, als gesellschaftliches Ereignis
  • bezeichnet auch Gruppenzugehörigkeit (bei mehreren Hunden)

Calming Signals in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund

Unter Artgenossen beschwichtigen Hunde andauernd, was zeigt, wie freundlich sie eigentlich sind. Auch uns Menschen senden sie oft Beschwichtigungssignale, nur leider bemerken wir dies viel zu selten. Wenn du ein bißchen mehr darauf achtest, wirst du sicher feststellen, dass dein Hund sich relativ häufig “bei dir entschuldigt”. Als ich die ersten male wirklich darauf geachtet habe, hab ich sehr schnell ein schlechtes Gewissen bekommen. Denn ich bekam ziemlich viele Calming Signals gesendet, z.B. in folgenden Situationen:

  • zu schnelle, bedrohlich wirkende Bewegungen (auch wenn es nicht so gemeint war)
  • wenn ich genervt bin und meinen Hunden unterstelle, dass sie mich ignorieren oder nicht hören
  • Gesten, wie z.B. drüber beugen oder versehentlich den Hund treten (wenn er hinter einem liegt)
  • bei Begegnungen mit der Zeckenzange, Ohrenspray oder sonstigen Dingen, die meine Hunde unangenehm finden

Generell beobachte ich diese Beschwichtigungssignale häufig in Situationen, die für meine Hunde beunruhigend oder unangenehm sind. Nicht immer lässt es sich vermeiden, z.B. wenn ich einen Verband anlegen möchte. Ich habe aber auch festgestellt, dass es durchaus hilfreich ist, die Calming Signals zu beantworten, indem ich selbst welche sende.

Wo es geht, nehme ich meine Hunde aus der Situation heraus. Das kann sein, dass ich eine Begegnung mit Artgenossen abbreche, Menschen auf Abstand schicke oder mich selbst reflektiere und einen Gang runter schalte. Tatsächlich kannst du viele der Signale auch auf deine eigene Körpersprache anwenden. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Hund schaut dich verunsichert an: lecke deine Lippen als Zeichen der Beruhigung
  • Hundebegegnungen: versuche einen Bogen zu laufen um direkte Konfrontation zu vermeiden
  • Spannung unter Hunden: Nutze das Splitten. So nimmst du deinem Hund die Verantwortung ab.
  • direkter Blickkontakt sorgt für Anspannung: Blick abwenden oder den Kopf wegdrehen

Mein Tipp: Calming Signals von Turid Rugaas

Wenn du mehr über die Beschwichtigungssignale bei Hunden lernen möchtest, kann ich dir einige Bücher und DVDs von Turid Rugaas (*Affiliate-Links) empfehlen.

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