Wir könnten alle mehr "Wusaaa" gebrauchen

In der Anonymität des Internets ist es tägliche Normalität, dass man über „Wutpostings“ stolpert. Es gibt mehrere Wege damit umzugehen, sie zu ignorieren oder sich todesmutig hinein zu stürzen. In diesem Beitrag gehtes  darum, dass wir alle etwas mehr „Wusaaa“ gebrauchen könnten und gibt einen kleinen Einblick wie schnell man sich täuschen kann und was solche Postings eigentlich bewirken.

Es ist allumfassend auf wirklich jedes Thema der Gesellschaft zu übertragen, aber ich möchte mich heute natürlich auf Hundethemen konzentrieren, berichte aber auch von dem einen oder anderen Vorfall aus meiner aktiven Tierschutzzeit (die sich überwiegend um Kaninchen drehte).

Wie solche Wutpostings überhaupt entstehen

Die Gründe dafür, dass Menschen in den Sozialen Medien ihre Erziehung vergessen, sind vielfältig. Es kann z.B. sein, dass man ein situatives Bild anders interpretiert, als es tatsächlich ist. So ist es mir beispielsweise wie folgt passiert:

Mitte Juli hatte ich ein professionelles Fotoshooting mit Othello und ein paar Bilder haben wir auch gemeinsam gemacht. Er brauchte ein bisschen Entspannung und da ist Ohren kraulen eine sehr gute Wahl. Während ich das tat, hat die Fotografin abgedrückt. Voila: Mona hat Othello an den Ohren gezogen. Danach wurde ich von einer Bekannten gefragt, als ich die Bilder auf Facebook gezeigt habe. Das ist natürlich ein harmloses Beispiel, das kann man aber auf viele Situationen übertragen.

Viel häufiger ist die Situation, dass nicht nachgefragt wird, sondern angeschuldigt, belehrt, „in die Ecke gedrängt“. Manchmal versehentlich, weil man nicht bedenkt, dass derjenige einen nicht kennt und man vielleicht hier und da nicht so auf die Wortwahl achtet. Häufig aber gibt es auch gewollte Anfeindungen.

Das Problem ist, dass jeder alles besser weiss

Und da weiss ich echt wovon ich rede! Ich war nämlich selbst mal mit einer Mission unterwegs, die immer dann ausgepackt wurde, wenn ich fand, dass es passt. Tat es nicht immer, aber man kennt das ja. Das war bei mir insbesondere das Thema Barfen. Ich bin Vollblut-Barfer und die ersten Jahre habe ich das dermaßen zelebriert, dass das schon fast ekelhaft war. Was ich damals sagte, finde ich heute überwiegend immer noch, nur die Verpackung und die Dosis macht den Unterschied. 😉

Mit meinen „gebetsmühlenartigen“ Reden, dass jeder Barfen sollte, ging ich meinem Umkreis zwar manchmal echt auf den Keks, aber es hat hier und da auch was gebracht. Ich bin allerdings nie jemanden feindlich angegangen, auch wenn mir ab und zu danach war.

Der Ton macht die Musik

Der kleine, aber gewichtige Unterschied ist nämlich folgender:

Wenn jemand findet, dass du etwas falsch machst und dich darauf auf unfreundliche Weise anspricht… Hörst du ihm dann zu? Nein! Und das ist völlig normal, wenn man wird aus einer unerwarteten Ecke angegriffen, die Liebe zum eigenen Hund wird auf feindliche Art angezweifelt und man gerät in eine Position der Rechtfertigung. Das ist nicht nur kein schönes Gefühl, sondern dein Gegenüber ist für deine Argumente gar nicht aufnahmefähig, egal wie gut sie sind. Setzen, sechs.

Wenn ich versuche, jemanden dazu zu bewegen, sein Verhalten, die Ausrüstung, Ernährung, Gesundheit… irgendetwas zu verändern, dann kann ich dieses Ziel doch nur dann erreichen, wenn mein Gegenüber mir zuhört. Und das geht nicht mit „Ey, du hast echt keine Ahnung, gib den Hund am besten gleich ab!“

Die Intention hinter solchen „Ratschlägen“ ist nämlich meistens positiv zu werten, so skurril das auch klingen mag.
Jemand sieht etwas, das er als Missstand interpretiert und versucht, die Situation des Hundes zu verbessern. Das ist ja erst einmal nett gemeint.

Hier möchte ich von einem Erlebnis auf einem Infostand berichten, um zu unterstreichen, was ich meine:

Wir hatten einen sehr professionellen und informativen Infostand zum Thema Kaninchen und sind mit diesem in den Tierheimen Schleswig-Holsteins unterwegs gewesen. Zu unserer Ausrüstung gehörte ein Negativbeispiel für einen Kaninchenkäfig mit der Aufschrift „So bitte nicht“. Das Set enthielt die klassischen Dinge wie einen „handelsüblichen“ Käfig (1 m lang), getreidehaltiges Trockenfutter, Leckstein, Plastikhäuschen und je ein Kaninchen und ein Meerschweinchen als Plüschtier. So wie es in deutschen Haushalten leider noch viel zu häufig üblich ist.

Man erkannte immer gut an den Gesichtern, dass sich gewundert wurde, warum „So bitte nicht“ darauf stand und man konnte das Gespräch suchen, hat die Leute gefragt was sie meinen, warum das so nicht gut ist. Man hatte einen freundlichen Einstieg in das Gespräch und konnte am konkreten Beispiel aufzeigen und erklären was daran nicht so richtig rund ist.

Nun gab es an einem Tag einen heftigen Regenguss. Wir hatten einen imprägnierten Pavillion dabei und standen überwiegend trocken. Eine Kollegin aus einem anderen Verein für Kaninchen, war damals auf ihrem ersten Stand, also noch nicht so gut ausgerüstet, und stand unter freiem Himmel. Für uns ein Selbstverständnis, sie zu uns unters Dach zu holen.

Wir waren ein Zweierteam und gerade beide in Gesprächen, als jemand ratlos vor dem Negativbeispiel stand. Die Kollegin aus dem anderen Verein preschte nach vorne und erklärte in einem sehr abwertenden Tonfall, warum das alles schlecht ist. Die Besucherin war total eingeschüchtert und ging direkt in Abwehrhaltung mit dem Satz „Also unser Käfig sieht auch so aus und unsere Tiere sind glücklich“. Die Antwort der Kollegin war: „Nein, das sind sie nicht!“

Das Ende vom Lied war, dass die Besucherin verstört und aufgebracht den Infostand verließ und für die Tiere eine wertvolle Chance vertan wurde.

Und die Moral von diesem Beitrag?

Es ist immer gut, zu hinterfragen warum Dinge so aussehen wie sie für einen aussehen. Oftmals kommt dann eine Erklärung, die sich schlüssig erweist. Besteht nach der Erklärung aber in meinen Augen noch immer ein Missstand, den ich gerne versuchen würde zu ändern, hilft die Holzhammer-Methode in 0 % der Fälle weiter.

Will ich also eine Verbesserung herbeiführen, ist ein freundliches Gespräch und vernünftige Erklärungen der einzige Weg, den man gehen kann. Es ist viel Wut, viele Vorwürfe und so viel Negatives im Netz unterwegs, da ist es doch eine Erholung, sich ohne Vorwürfe mal austauschen zu können.

Deshalb möchten wir euch hier auch einmal auf die Lieblingsrudel-Gruppe aufmerksam machen, die genau aus diesem Grund von Franziska und mir gegründet wurde: Ein nettes Miteinander, bei dem Anfeindungen nicht geduldet werden. Kritik immer, aber wir achten da sehr auf den Ton. Es gibt schon genug Aufregung in der Welt, da muss man nicht künstlich neue schaffen. Du bist herzlich in die Gruppe eingeladen.

Titelfoto: © fmbecker.de

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Mona

Moin Moin liebes Lieblingsrudel, ich heisse Mona, stamme aus dem hohen Norden bei Flensburg und zu mir gehört mein wundervoller Chaot Othello, Cocker Spaniel, geboren 23.11.2016. Ich bin Inhaberin eines Geschäftes für Hunde (www.foerdepfote.de ). Seit kurzem darf ich "Das Lieblingsrudel" mit dem einen oder anderen Gastbeitrag tatkräftig unterstützen und hoffe sehr, dass dir auch diese Themen gefallen.

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