Vom Glück "nur" einen Hund zu haben

Ein Hund reicht doch

Ein Beitrag über die Einzelhundehaltung? Beim Lieblingsrudel? Da ich selbst die Vorteile, nur einen Hund zu haben, niemals öffentlich propagieren würde, gibt es heute mal wieder einen Gastbeitrag von Mona. Sie hat nicht nur umfangreiche Erfahrung in der Mehrhundehaltung, sondern erfreut sich (leider) seit einiger Zeit nur noch an einem Hund. Auch das hat seine Vorteile! Davon berichtet sie im folgenden Artikel.

Der Trend geht eindeutig zur Mehrhundehaltung. Dabei ist man manchmal auch als Mensch mit zwei Hunden schon fast ein Exot in der „Hundeszene“. Jeder möchte zwei oder am besten noch mehr Hunde haben. Dieser Artikel ist ein Erfahrungswert von mir, die ich schon bis zu 3 Hunde gleichzeitig hatte und heute sage: Ein Glück, dass ich „nur“ noch einen Hund habe. Denn die Mehrhundehaltung ist nicht für jeden etwas.

Beginnen wir mit Nelly, die von September 2005 bis Oktober 2014 Einzelhund war. Ich träumte immer von einem zweiten Hund, aber meine Situation liess dies damals nicht zu.

Bis ich mich selbstständig machte und Nelly mich täglich zur Arbeit begleitet hat. Sie konnte nicht alleine bleiben und so war es für sie schwer im Büro zu warten, wenn ich im Laden zu tun hatte. Schneller als gedacht machte ich mich auf die Suche nach einem Zweithund, den ich in Anna fand. Eine ca. 14 Jahre alte Dame, taub, herzkrank, absolut liebenswert und gemütlich. Anna machte unser Glück perfekt, etwas gesünder hätte sie gern sein dürfen, die vielen Tierarztbesuche und Medikamente waren schon sehr aufwändig. Aber sie war es in jedem Fall wert.

Anna passte zu uns wie „Arsch auf Eimer“ wie wir hier im Norden sagen. Leider durfte sie nur 8 Monate bei uns bleiben, bis ein Tumor sie uns nahm.

Ich war nicht bereit, mein Herz wieder an einen neuen Hund zu vergeben, aber Nelly kam mit der Situation gar nicht zurecht. Sie hat schlecht gefressen – und Futter war ihr absolutes Lebenselixier – und litt merklich unter der Situation.

Zwei Monate nachdem Anna die Räume gewechselt hat, zog dann Hummel bei uns ein. Nelly regenerierte sich schnell, aber Hummel entwickelte sich zu einer echten Herausforderung. Als unkompliziert und absolut genügsam beschrieben, zeigte sie schnell ihr „anderes Gesicht“.

Hummel war ein sehr lauter und stressiger Hund, was darin begründet lag, dass sie sich so eng an mich band, dass sie es nicht ertragen konnte, wenn ich den Raum auch nur drei Minuten verlassen habe. Dann fing sie an zu schreien und zu kreischen, ihr platzten Adern in den Augen und es ging ihr wirklich schlecht. Bis hin dazu, dass ihre Zunge blau anlief. Ich hatte Trainer an der Problematik dran, die mir alle Kontrollwahn seitens Hummel attestierten. Ich solle das aussitzen, ihr zeigen wer hier der Chef ist. Es wurde aber dadurch immer schlimmer. Erst zwei Wochen vor ihrem Tod fand ich eine Trainerin, die mir Hummel erklärt hat, den richtigen Nerv traf und unsere letzten zwei Wochen maßgeblich veränderte. Hätte ich das 3 Jahre früher gehabt, wäre das Zusammenleben zwischen Hummel und mir ganz sicher harmonischer gewesen. In dem Artikel über das Hundetraining nach Maike Maja Nowak habe ich ausführlicher darüber berichtet.

Hummel und Nelly waren immer harmonisch miteinander. Nelly war für Hummel immer eine starke Führungspersönlichkeit und ihr „Fels in der Brandung“. Sie orientierte sich sehr an Nelly und diese erfüllte alle Aufgaben für Hummel, die ein guter Rudelführer zu erfüllen hatte. Es dauerte ein bisschen, bis die beiden zusammen gewachsen waren, aber sie waren durchaus ein Dreamteam. Auch wenn man das als Außenstehender wahrscheinlich in dem Ausmaß nie hätte sehen können. „Von innen“ betrachtet waren sie es.

Das zeigte sich insbesondere, als Othello einzog. Einen dritten Hund hätte ich mir alleine nicht dazu geholt, aber Othello war ein „Dog Sharing“ Hund und ich habe ihn mir mit meiner Mitbewohnerin „geteilt“.

Auch hier waren beide Mädels total unterschiedlicher Auffassung, was den Knirps betraf. Während Nelly vor Glück nur so übersprudelte, weil sie eeeeendlich einen Welpen zum Betüdeln bekam, hat Hummel mich lange gefragt, ob ich den nicht noch zurück geben kann. Hummel hätte generell keine anderen Lebewesen auf dem Planeten gebraucht, ausser mir.

Das Zusammenleben mehrerer Hunde ist insgesamt sehr spannend und mein Chaos-Trio war besonders interessant zu beobachten. Während Nelly – bis zum Tag ihres Todes – unangefochtene Chefin des Rudels war und sich auch der Erziehung von Mr. Wusel annahm, hielt Hummel sich grundsätzlich aus allem heraus.

Othello, der Cocker Spaniel fand natürlich beide toll und hat seine Mädels heiß und innig geliebt. Er wollte immerzu spielen, was nicht immer auf Gegenliebe gestoßen ist. Hoppelte er auf Hummel zu und ich war nicht schnell genug, ihn davon abzuhalten, regelte die schwarze Polizei das Ganze souverän. Nelly wusste, dass Hummel seine Spielaufforderungen hasste und schritt entsprechend ein. Das konnte mal sein, dass sie sich dazwischen stellte, der Knirps dann sofort abdrehte und weg ging. Das konnte aber auch mal eine Spielaufforderung sein, die die Aufmerksamkeit auf Nelly richtete und weg von Hummel. Das konnte aber auch mal sein, dass Nelly nur aufstand und präsent war – die Möglichkeiten waren vielseitig und immer faszinierend wie sehr er auf Nelly reagiert hat.

Man konnte sich aber auch täuschen, was die Beziehung von Hummel und Othello anging. Während ich lange dachte, dass sie ihn nicht leiden kann, zeigte mir ein Umstand doch das Gegenteil.

Es war damals so, dass Othello immer nachts bei uns war, sowie wenn meine Mitbewohnerin Dienst hatte und meistens auch am Wochenende. Aber jeden Tag haben die Hunde Zeit miteinander verbracht. Dann fuhr meine Mitbewohnerin mit ihm nach Hessen, zu einer Hundeschule. Vier Tage waren die beiden weg und als er wieder kam, wurde er stürmisch begrüßt. Und auch hier waren die beiden wieder völlig unterschiedlich. Während Nelly ihm erstmal eine verpasst hat („unerlaubtes Entfernen vom Rudel“ mit seinen gerade mal 8 Monaten hatte er das nicht zu tun!), war Hummel völlig hektisch und schnuffelte ihn von oben bis unten ab, suchte die ganze Zeit Kontakt zu ihm.

An diese wirklich schönen Momente denke ich sehr gerne zurück und ich würde alles dafür geben, wenn meine drei Mädchen wieder da wären. Dann hätte ich halt vier Hunde, sehr gerne. Meine Mädchen habe ich alle geliebt, jedes auf seine Weise und ich vermisse sie wahnsinnig.

Aber die Mehrhundehaltung hat eben auch ihre Schattenseiten, die man bei aller Liebe und Euphorie nicht vergessen darf. Denn diese holen einen schneller ein, als einem lieb ist. Man muss mehrere Hunde eben auch erziehen und da kommen dann einige Faktoren zusammen, die man mehr oder minder stark beeinflussen kann:

Bin ich der Typ dafür?

Jetzt mal ehrlich und ganz selbstkritisch sollte man sich diese Frage stellen. Ich zum Beispiel bin kein Experte in Sachen Hundeerziehung und bin hier insbesondere bei Othello „Nutznießer“ der Arbeit meiner Mitbewohnerin. Denn die ist „Mrs. Erziehung“, hat ein wahnsinniges Händchen für den Umgang mit echt jedem Hund. Das wurde ihr in die Wiege gelegt, mir aber nicht.

Ich bin manchmal auch faul, gebe ich zu. Ist nichts schlimmes, aber muss man sich eben eingestehen können.
Und ich bin keine ernstzunehmende Führungspersönlichkeit. Auch nichts schlimmes, muss man aber eben auch wissen. 😉

Was für einen Hund habe ich und was bekomme ich dazu?

Die wohl noch wichtigere Frage. Nelly war sehr speziell, insbesondere mit Menschen. Sie war zeitlebens ein potentiell gefährlicher Hund, den man mit viel Umsicht führen musste.

Wie passt das jetzt zu der Erkenntnis, dass ich nicht „Mrs. Führung“ bin? Richtig, nicht wirklich. Nelly konnte ich lesen wie ein Buch, ich kannte jeden ihrer Gedanken, was man bei einem solchen Hund auch unbedingt können muss. Sie war zwar in der Öffentlichkeit nie wirklich ungefährlich, aber ich wusste sie zu händeln, so dass sie nie ihr volles Potential entfaltet hat gegenüber Fremden. Der Spagat war immer anstrengend und natürlich auch stressig, keine Frage.
Und von der Sache her hätte ich alleine deshalb schon keinen zweiten Hund dazu holen sollen, wenn man die Vernunft hätte sprechen lassen.

Anna und Hummel waren draußen sehr genügsam, nie kompliziert, so dass sie gut zusammen passten. Aber die Konzentration lag draussen eben auch immer hauptsächlich bei Nelly, was gar nicht anders möglich war. Sowohl Anna als auch Hummel fügten sich da gut ein.

Othello aber war natürlich ein Jungspund und die Spaziergänge mit allen dreien wurden zum Kraftakt und es wurde die (fast) „totale Anarchie“ ausgerufen. Es war wirklich anstrengend mit allen zusammen und ich habe das nicht gerne gemacht. Schlechte Grundlage für entspannte Spaziergänge.

Als dann Hummel am 30.03.2019 starb, ging für mich eine Welt unter. Doch als Nelly ihr nur 6 Tage später folgte, war es die Katastrophe schlechthin. Nur dadurch, dass Othello mich weiterhin brauchte, bekam ich den Hintern überhaupt wieder hoch, denn er wollte ja weiterhin Aufmerksamkeit, Liebe, Spaziergänge und co.

Nelly war lange sehr krank, sie hatte Krebs und sie war alt. Auch Hummel war nicht ganz gesund, aber ihr Tod traf mich mit voller Wucht, weil ich damit nicht gerechnet habe. Man macht sich Gedanken was ist, wenn einer oder beide nicht mehr da sind und mein „Plan“ stand schon, dass Othello dann kein WG-Hund mehr sein würde, sondern mein alleiniger Hund wird. Der Gedanke daran, nach Nelly und Hummel wieder einen neuen Hund dazu zu holen, war auch da, aber es fühlte sich nicht richtig an. Und so entschied ich, dass Othello Einzelhund wird.

Manchmal zweifle ich, ob das für ihn das richtige ist, aber er hat zum Glück noch die beiden Mädels meiner Mitbewohnerin, mit denen er auch viel Zeit verbringt und so ist er nicht völlig alleine. Der Spruch „Zwei Hunde, doppelte Freude“ trifft auf mich nicht zu. Um einen Hund kann ich mich gut kümmern, zwei Hunde empfinde ich mittlerweile als stressig.

Diese romantische Vorstellung von mehr als einem Hund ist bei mir nicht aufgegangen. Sie lagen niemals kuschelnd in einem Bettchen, haben sich nie gegenseitig geputzt und haben selten all die Dinge gemacht, von denen andere Mehrhundehalter so schwärmen. Klar geht es auch anders, wahrscheinlich waren meine Hunde alle viel zu unterschiedlich. Aber ich habe eben im Laufe der Jahre gemerkt, dass es auch einfach nicht mein Ding ist mehrere Hunde zu halten.

Wenn ein kleiner Oldie ein neues Zuhause sucht, könnte ich vielleicht nochmal schwach werden, aber der Plan ist es weiterhin mit „nur“ einem Hund glücklich zu sein. Und mit Othello habe ich wirklich einen tollen Gefährten bekommen, mit dem man alles machen kann. Das geniesse ich sehr und wir sind ständig auf Achse. 🙂

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Mehrhundehaltung ist nicht für Jeden etwas

Mona

Fast 6 Jahre hatte ich meinen eigenen Hundeladen, der für gesundes Futter und vernünftige Ausstattung bekannt war. Deshalb sind Futter und Ausrüstung natürlich zwei meiner Schwerpunkte. Aber auch der Bewegungsapparat ist einer meiner Interessenschwerpunkte, da ich noch nie einen orthopädisch gesunden Hund zu meiner Familie zählen durfte. Das macht empfänglich für Gangbildveränderungen und sehr sensibel für das Thema Schmerzerkennung. Zu mir gehört Othello oder auch Piefke genannt. Ein fröhlicher kleiner Cocker-Mann mit allerhand Special Effects, die auch in die Artikel immer wieder einfließen. Ausserdem betreibe ich einen kleinen Blog – Schleswig-Holstein mit Hund (https://sh-mit-hund.jimdofree.com/) - auf dem ich immer neue Touren in meiner schönen Heimat vorstelle. Für Einheimische, aber auch für Urlauber super geeignet für tolle Ausflüge.

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