Rasseportrait English Cocker Spaniel

Othello, ein English Cocker Spaniel mit reichlich „Special Effects“
Rasseportrait Cocker Spaniel

Heute gibt es endlich mal wieder einen Artikel von unserer Gastautorin Mona. Sie hat ein Rasseportrait über den English Cocker Spaniel geschrieben und dazu ihre Knalltüte Othello, nach eigenen Aussagen ein “Cocker Spaniel mit Special Effects”, als Inspiration genommen. Viel Spaß mit Monas Rassebschreibung!

Heute möchte Othello sich als Vertreter seiner Rasse vorstellen: Der English Cocker Spaniel. Er stellt sich den knallharten Fakten im Vergleich: Ein Soll- und Ist-Abgleich findet hier statt.

Wir ziehen hierfür die Rassebeschreibung des VDH als Grundlage heran.

Zuerst schreibt der VDH, dass der Cocker einen hervorragenden Geruchssinn hat. Dem kann ich nur beipflichten! Wenn ich die gleiche Strecke gehe wie zuvor meine Mitbewohnerin, weiss ich ganz genau wer wo was gemacht hat. Er findet die Spuren und folgt ihnen, immer in der Hoffnung seine Mädchen auf der nächsten Lichtung zu erblicken. Er trailt sozusagen als Naturtalent von sich aus.

Der nächste Satz in der Rassebeschreibung bringt mich zum Schmunzeln, denn darin wird aufgeführt, der Cocker sei intelligent, anhänglich und temperamentvoll. Anhänglich ist Othello in jedem Fall, wenn er könnte, würde er permanent in irgendwelche Menschen hinein kriechen. Er ist überaus freundlich mit Fremden und wen er nicht mag, mit dem stimmt auch wirklich etwas nicht. Das kommt so selten vor, dass ich das in den letzten 3,5 Jahren an einer Hand abzählen kann.

Temperamentvoll – oh ja! Sein 3. Vorname ist in jedem Fall temperamentvoll! Menschen werden so überschwänglich begrüßt, dass er immer abgehalten werden muss, nicht an selbigen hoch zu klettern. Auch im Spiel zeigt er Temperament, stellt sich aber auch immer auf seinen Spielpartner ein. Wenn der es nicht wild mag, passt Othello sich durchaus an.

Kommen wir zum dritten Schlagwort: Intelligenz. Also… Nein, das ist wirklich nicht seine Stärke, das muss man schon sagen. Er ist sozial intelligent, aber „klug intelligent“ ist er nicht. Das liegt wohl zum Einen darin begründet, dass er nicht unbedingt der Typ dafür ist, ein Einstein zu werden. Aber zum Anderen auch daran, dass wir das nicht unbedingt gefördert haben. Problemlösung zum Beispiel ist für ihn eine echte Herausforderung. Dabei sucht er schnell Hilfe bei seinem Menschen, was die positive Kehrseite der Medaille darstellt.

Dumme Menschen sind oft glücklicher, heisst es doch so schön,. Ich glaube das gilt auch für Hunde. 😉 Und er ist der Inbegriff von glücklich. In meiner Nelly (Mix aus Cocker Spaniel und Altdeutschem Hütehund) hatte ich einen unheimlich intelligenten Hund und das kann wirklich sehr anstrengend sein! Deshalb ist es überhaupt nicht schlimm, dass Othello nicht die hellste Kerze auf der Torte ist.

Sind Cocker Spaniel intelligent?

Die nächsten aufgezählten Eigenschaften sind die absolute Fröhlichkeit. Das kann ich bei Othello nur dreifach unterstreichen! Dem scheint den ganzen Tag die Sonne aus dem Popo und es ist wirklich sehr schön, immer einen gut gelaunten Hund um sich zu haben, der fast alles toll findet.

Othello ist sehr begeisterungsfähig. So kann auf einem Spaziergang eine im Wald gefundene Eichel oder Buchecker zum tollsten Objekt aller Zeiten mutieren und man kann sich damit unglaublich lange und gut beschäftigen.

Als nächstes kommt der unbändige Appetit des Cockers zur Sprache. Ich habe Othello schon mehrfach die Rassebeschreibung vorgelesen, aber irgendwie… er ist das Gegenteil des Rufes, der Cockern nach schleicht.

Othello frisst wahnsinnig schlecht, was dazu geführt hat, dass er lange Zeit untergewichtig war. Er ist mit etwa 11 kg zwar rasseuntypisch vom Gewicht (Rüden sollen ab ca. 12,5 kg los gehen), aber mit dem rassetypischen Gewicht wäre er zu fett. Er ist auch etwas klein geraten, sodass man das „Normgewicht“ bei ihm nicht ansetzen kann.
Aber mit etwa 11 kg dürfte er gut aussehen, dieses Gewicht haben wir aufgrund seiner Fress-Unlust aber noch nie erreicht. Er wog zu seinen schlechtesten Zeiten 9 kg und war Haut und Knochen. Was sicher nicht daran lag, dass wir ihn mäkelig gefüttert hätten oder ihm nichts angeboten hätten. Sein Vater ist ihm da sehr ähnlich und das hat er nochmal etwas extremer geerbt.

Auch das hat zwei Seiten der Medaille: Die Sorge, dass er nicht genug frisst und immer dünner wird. Der nächste negativ-Effekt ist: Der Typ ist nicht bestechlich. 😉 Aber auch das hat eine positive Seite, denn man kann sich darauf verlassen, dass er draussen nichts aufgabelt. Giftköder sind für jeden immer ein Thema, aber ich brauche keine große Angst haben, dass er wirklich mal einen frisst.

Kommen wir zum Jagdtrieb, dem nächsten Punkt auf der Beschreibung. Cocker Spaniel sind Jagd- und Stöberhunde, sowie Apportierhunde. Viele Halter von Cockern können ihre Hunde kaum ableinen, weil der Jagdinstinkt so groß ist. Bei Nelly habe ich das insbesondere bei Vögeln beobachtet, werden Cocker ja häufig zur Entenjagd eingesetzt.

Othello hat keinen Jagdtrieb. Zum einen bringt er das von Haus aus nicht unbedingt mit, da sowohl Vater, als auch Opa echt wenig Jagdtrieb haben. Aber wir haben ihm auch vom aller ersten Moment an beigebracht, dass Jagen niemals eine Option für ihn zu sein hat.

Das ist ganz einfach darin begründet, dass wir Hühner und Enten im Garten halten und der Plan bei jedem neuen Hund immer war, dass der zuverlässig mit denen zusammen im Garten laufen kann. Das bedurfte natürlich vor allem Schnelligkeit und extrem bestimmtes Auftreten, als Othello noch klein war. Natürlich hat er die Enten gescheucht, wollte auch mal mit denen spielen. Durch konsequentes Ankoffern hat er aber gelernt, dass das wirklich keine Option darstellt.
Das wirkt sich auch ausserhalb des Gartens aus. Sieht er ein Reh, kommt er fiepend zu einem und sagt einem Bescheid. Dann wird gefragt was nun zu tun sei. „Nicht jagen? Okay, dann nicht jagen.“

Cocker Spaniel sind Jagdhunde

Positiv bei Othello ist vor allem, dass er sich schnell körpersprachlich und stimmlich beeinflussen lässt. Wenn man körpersprachlich ausdrückt, dass etwas wirklich gar nicht geht, reagiert er wie ein Hund es in dem Fall meiner Ansicht nach tun sollte: Ducken, weg schleichen, Füße still halten. Das sieht manchmal fies aus, aber man tut ihm damit ja eher einen Gefallen, wenn man ihm klar und deutlich ein Mal sagt was er zu lassen hat, anstatt ständig halbherzig darum zu bitten, er möge dies nicht tun.

Der nächste Punkt in der Rassebeschreibung ist das Thema Fellpflege. Der VDH stellt den Cocker als leicht zu pflegenden Hund dar. Ich glaube, der Autor hat noch nie nen Cocker fertig gemacht!

Die Fellpflege ist wirklich nervig, aufwändig und ätzend. Meiner Ansicht nach das größte Manko dieser Rasse und wenn man auf Fellpflege keine Lust hat, sollte man um den Cocker echt nen großen (!) Bogen machen!

Bürsten reicht da nicht, so wie der VDH es darstellt. Spätestens alle 6 Wochen muss das volle Programm aufgefahren werden: Schneiden, schnippeln, Unterwolle ausbürsten, scheren.

Aber Achtung! Den Cocker darf man nur und ausschliesslich an drei Stellen scheren:

  • Kopf und Hals
  • Brust
  • in den Ohren

Schert man den Cocker komplett, macht man ihm das Fell kaputt. Viele rollen jetzt mit den Augen und denken, das sei ein ästhetisches Ding. Nein, weit gefehlt.

Ich habe für das Lieblingsrudel schon einmal einen Artikel zum Thema Sommerschur geschrieben, da ist es etwas ausführlicher.

Hier nur kurz angerissen, was passiert, wenn man einen Cocker schert: Das Fell wird nicht nur total stumpf und hässlich, sondern verdichtet sich enorm. Das wiederum führt dazu, dass nicht mehr genug Luft an die Haut kommt, was die Haut krank macht und der Hund leidet unglaublich darunter. Viele wollen einem das immer weiß machen und klingen dabei neunmalklug. Ich kann euch wirklich aus Erfahrung sagen: Sie haben Recht und wollen das Beste für euren Hund!
Bei Nelly habe ich nicht darauf gehört und sie musste das leider sehr bitter bezahlen.

Zurück zur Fellpflege des Cockers. Man braucht allerhand Werkzeug und am Besten lässt man sich da von einem Cocker-Züchter beraten. Wir haben uns das von Othello´s Züchtern zeigen und beibringen lassen. Die Fellpflege ist nicht nur eine optische Angelegenheit, sondern dient auch dem Wohlbefinden des Hundes. Dass Fell von unkastrierten Cockern ist sehr weich und verfilzt schnell. Und niemand mag mit lauter Filzknoten auf der Haut herum rennen.

Ich beziehe mich hier explizit auf unkastrierte Cocker, weil die Kastration auch etwas mit dem Fell macht, weshalb kastriert und unkastriert nicht miteinander vergleichbar ist.Durch die Hormonveränderung wird das Fell lockig und leicht borstig, das Gesamtbild verändert sich sehr und man kann in der Regel schon auf Fotos erkennen, ob man es mit einem kastrierten Tier zu tun hat. Nebenbei bemerkt bewirkt auch der Kastrationschip diese Veränderung. Wenn eine Kastration medizinisch notwendig ist, führt kein Weg daran vorbei, das ist klar. Aber das sollte man durchaus im Vorfeld wissen.

Fellpflege beim Cocker Spaniel

Zum Schluss sei noch das Thema Auslastung erwähnt. Dazu steht in der Beschreibung des VDH zwar nichts, aber ich finde es wichtig. Cocker sind unheimlich genügsame Hunde, wenn man sie nicht als Welpen schon zum Aktionjunky hoch pusht (was man meiner Ansicht nach mit keiner Hunderasse tun sollte, aber das steht auf einem anderen Blatt).

Ist man z.B. mal krank, macht es Othello zum Beispiel nichts aus, eine Woche lang keine großen Runden zu bekommen. Dass auch ihm irgendwann die Decke auf den Kopf fällt, ist sicher klar und meine Erwähnung soll nicht dazu anhalten „Ich hab keinen Bock raus zu gehen, also hole ich mir nen Cocker“. Aber er ist kein Arbeitstier, das permanent beschäftigt werden muss und sonst nichts mit sich anzufangen weiss.

Othello hat insgesamt reichlich “Special Effects”, was seine Fröhlichkeit und auch leichte Crazyness betrifft. Er ist der fröhlichste Hund, den ich jemals getroffen habe und es macht Spaß jeden Tag aufs neue mit ihm zu verbringen.

Hunderasse English Cocker Spaniel
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Mona

Fast 6 Jahre hatte ich meinen eigenen Hundeladen, der für gesundes Futter und vernünftige Ausstattung bekannt war. Deshalb sind Futter und Ausrüstung natürlich zwei meiner Schwerpunkte. Aber auch der Bewegungsapparat ist einer meiner Interessenschwerpunkte, da ich noch nie einen orthopädisch gesunden Hund zu meiner Familie zählen durfte. Das macht empfänglich für Gangbildveränderungen und sehr sensibel für das Thema Schmerzerkennung. Zu mir gehört Othello oder auch Piefke genannt. Ein fröhlicher kleiner Cocker-Mann mit allerhand Special Effects, die auch in die Artikel immer wieder einfließen. Ausserdem betreibe ich einen kleinen Blog – Schleswig-Holstein mit Hund (https://sh-mit-hund.jimdofree.com/) - auf dem ich immer neue Touren in meiner schönen Heimat vorstelle. Für Einheimische, aber auch für Urlauber super geeignet für tolle Ausflüge.

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