Jeder Hundehalter wird sie kennen: Die Tut-Nixe! Das sind Hunde, die mit ihren Herrchen oder Frauchen unterwegs sind, manchmal mit Volldampf auf andere Hunde zustürmen, aber generell nur spielen wollen. „Der tut nix“! Wer regt sich nicht regelmäßig über diese achtlosen Hundehalter auf, die offensichtlich nichts kapiert haben? Viel ändern können wir daran nichts. Außer vielleicht unsere eigene Einstellung zu solchen Momenten.

Einem Tut-nix unterwegs begegnen

Ich lese regelmäßig in den sozialen Medien lange Hasstiraden gegen Tut-Nixe und deren Begleitung. Unter den viel zu langen Posts, die von Beschimpfungen und Anfeindungen nur so wimmeln, gibt es endlose Kommentatoren, die nur eins tun: In dieselbe Kerbe hauen wie der Verfasser des ursprünglichen Beitrags. Keine Frage, Tut-Nixe sind generell etwas, worauf man gut und gern verzichten kann. Aber meistens kommen wir doch mit einem Schrecken davon, oder?

Ich hatte natürlich auch schon häufiger die Situation, dass uns ein Hund begegnet ist, der nicht angeleint und auch noch ziemlich respektlos war. Mit zwei Hunden, die zusammen 1,5 Mal so viel wiegen wie ich, ist das jedes Mal eine Herausforderung. Wer sich jetzt vorstellt, wie ich schreiend hinter den beiden hergezogen werde, liegt falsch. Obwohl ich zugeben muss, dass das ein lustiges Bild abgeben würde.😉

Wenn du dann noch eine heiße Hündin und einen Rüden mit Schutzinstinkt dabei hast, ist solch eine Begegnung ein richtiger Spaß! Ich kann leider nicht beschreiben, wie man sie händeln kann, weil ALLES davon sich in deinem Inneren abspielt und sich auf deine Ausstrahlung auswirkt. Es hat tatsächlich nur mit deiner inneren Einstellung zu tun, wie du in solch einem Moment reagierst. Deshalb ist es auch so schwer und durchaus ein Grund, sich im Nachhinein in diversen Facebook-Gruppen darüber aufzuregen.

Gott sei Dank für Tut-Nixe

Es mag dich vielleicht wundern, aber ich freue mich über Zusammentreffen mit Tut-nixen. Denn es gibt mir die Gelegenheit, mit meinen Hunden genau solche Situationen zu üben und mich als guter Rudelchef zu behaupten.

Mir ist es schon mehrfach passiert, dass ein Tut-nix mit einer dermaßen respektlosen Körpersprache auf uns zu kam, dass ich es Murdoch und Freya noch nicht mal verübelt hätte, wenn sie ihn kurzerhand in Stücke gerissen hätten. Auch ich habe schon von Tut-nix-Besitzern zu hören bekommen, dass sich die Hunde doch Hallo sagen müssen und das am besten ohne Leine tun sollten. Dem stimme ich grundsätzlich zu, aber es gibt eben doch so einige Ausnahmen, die diese Regel bestätigen:

  • die Hündin ist heiß (und der Rüde im Rambo-Modus)
  • der Hund ist krank oder nicht so mobil
  • der Hund hat Angst, ist aggressiv oder möchte keinen Kontakt zu Artgenossen
  • man will es einfach nicht

Wie geht man mit Tut-Nixen um?

Sind wir mal ehrlich: Gesunder Menschenverstand und Aufklärung bringen in solchen Fällen wenig. Sind sich die Begleitpersonen der Tut-Nixe doch überhaupt nicht darüber im Klaren, wie frech und respektlos sich ihr Vierbeiner gerade verhält. Sie haben irgendwo etwas gelesen, das sie nun pauschal auf alle Hundebegegnungen anwenden. Ohne dabei zu reflektieren, dass es sich auch bei Hunden um Individuen handelt, die eben nicht alle gleich gestrickt sind. Aber was soll ich mich darüber aufregen? Es bringt doch nichts…

Also nehme ich lieber meine Hunde auf die Seite, wo der Tut-nix nicht vor sich hin prollt und stelle mich als Puffern dazwischen. Während ich meinen Hunden signalisiere, dass sie sich nicht darum kümmern müssen, sondern ich die Angelegenheit übernehme, signalisiere ich dem Tut-nix, dass er sich (auf deutsch gesagt) verpieseln soll. Bislang konnte ich jede solcher Herausforderungen meistern und mir dabei jedes einzelne Mal den Respekt und die Hochachtung meines Lieblingsrudels sichern.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man in der Situation den eigenen Ärger und den Schrecken heraus nimmt. Genau betrachtet geht es in diesem Moment nur darum, den eigenen Hund ruhig zu halten und den anderen abzuwehren. Was ein vorbeilaufender Besitzer sagt oder aus der Ferne schreit, spielt erst einmal keine Rolle. Du hast die Verantwortung für die Sicherheit des Rudels, also solltest du dich auch darauf konzentrieren.

Dabei ist es äußerst wichtig, ruhig zu bleiben, um die eigene Anspannung und Aggression nicht auf den Hund am anderen Ende der Leine zu übertragen. Ruhig und selbstbewusst lässt sich meistens auch der Tut-nix beeindrucken und kehrt um oder hält zumindest vorsichtigen Abstand. Bleibe möglichst ruhig und entspannt, bis du die Situation lösen kannst. Es bringt auch nichts, dem anderen Hundehalter jetzt eine Lektion erteilen zu wollen. Er wird es wahrscheinlich nicht begreifen oder er weiß es, kann es aber gerade nicht ändern.

Viel wichtiger ist es, dass du für DEINEN Hund ruhig bleibst. Ich kann dir garantieren, dass dein Hund vor Stolz platzen wird, wenn du eine solche Situation ganz easy und ohne Aufregung regeln kannst. Und auch du kannst vor Stolz platzen, weil dein Hund sich so toll verhalten hat, auch wenn er vielleicht ganz anders gewollt hätte. Geht einfach weiter und zelebriert, was für ein tolles Team ihr seid. Dann fällt die nächste Begegnung direkt leichter.

Ich persönlich bin also dankbar für Tut-Nixe und ihre Besitzer, weil ich dank ihnen meinen Hunden beweise, dass man sich auf mich verlassen kann. Ich bin immer unfassbar stolz auf meine beiden, wenn wir solch eine Situation gemeinsam durchgestanden haben. Ich bin stolz darauf, wie ruhig sie sich verhalten und dass sie mich die Sache regeln lassen. Und sie sind stolz auf mich und freuen sich, wie stolz ich auf sie bin.

Hatten wir nicht alle mal einen Tut-Nix?

Die meisten Tut-Nixe sind tatsächlich sehr liebenswerte Hunde, die einfach nur ein bißchen übermütig daher kommen. Manche haben zu Hause die Hosen an und fühlen sich deshalb wie Everybodys darling. Man kann es ihnen gar nicht übel nehmen, dass sie sich dermaßen über einen neuen Hundekumpel freuen. Aber leider muss das eben nicht immer auf Gegenseitigkeit beruhen.

Ich hatte auch schon eine Zeitlang einen Tut-Nix, und zwar meinen ersten Hund Herr Dr. Schröder. Schrödi war ein super sozialer Kerl, der oft mit anderen Hunden zusammen kam und einige beste Freunde und Freundinnen hatte. Ich hatte noch nicht besonders viel Ahnung von der Körpersprache von Hunden und war ehrlich gesagt auch mehr mit mir selbst beschäftigt. Ich war Anfang 20 und suchte gerade meinen Weg im Leben. Den suche ich jetzt übrigens immer noch…😉

Sobald Schrödi am Horizont einen anderen Hund entdeckte, konnte ich gar nicht schnell genug reagieren und er sprintete los. Das fing mit seiner Pubertät an und es dauerte ungefähr ein Jahr, bis ich ihm das abgewöhnt hatte. In der Zwischenzeit hat er jedoch einige Zwei- und Vierbeiner durch sein forsches Heranschießen verunsichert. Es tut mir heute noch leid, aber ich brauchte eben meine Zeit, bis ich es aus ihm rausgekriegt habe.

Also, frag dich mal: Hattest du schon mal einen Tut-Nix? Wenn nicht, wirst du bestimmt in deinem Leben mit Hunden auch noch einem über den Weg laufen. Mit jedem Hund kommen neue Herausforderungen. Also, seid lieb und verständnisvoll miteinander, auch wenn es mal nicht so optimal läuft.😉

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