Diese Form trifft man eigentlich weniger auf der Hundewiese oder beim Spaziergang. Territorial veranlagte Hundefachleute findet man bevorzugt in Foren oder auf Facebook. Diese Sorte versteckt sich gern in einem Busch und kläfft aus sicherer Entfernung wahllos alles an, was kurz vorbei kommt und eine Frage stellt.
Da wird dem Neuling im Forum mal eben erklärt, dass seine Art der Erziehung absolut unter aller Sau ist und der arme Hund wirklich bemitleidenswert ist. Das Futter, das man füttert, geht ja mal gar nicht. Damit schadet man seinem Hund ernsthaft. Und überhaupt kann man manchmal froh sein, dass einem nicht der Tierschutz auf den Hals gehetzt wird. Der allgemeine Umgangston in solchen Foren ist alles andere als freundlich.
Territoriale Aggression nenne ich es deshalb, weil das Territorium dieser Menschen meist ein bestimmtes Forum, eine Facebook-Gruppe oder eine Online Community ist. Sobald du mit deiner Frage kommst, ist das so, als würdest du mit dominantem Gehabe einen Baum im Territorium markieren. Und schon hast du die Wadenbeißer am Hacken.
Hast du schon mal bei Facebook eine dieser privaten Anzeigen gesehen, bei denen Leute ein neues Zuhause für ihre Hunde suchen? Die Threads unter solchen Beiträgen sind mitunter ganz unterhaltsam, denn was einem da begegnet, gleicht oft einer Soap Opera. Ohne die Hintergründe zu kennen, wird pauschal verurteilt. Man hätte sich vorher Gedanken darüber machen müssen, was es bedeutet, einen Hund zu haben. Nicht nur die ersten Monate mit dem kleinen Welpen zu genießen (und ihn dabei zu versauen) und wenn es schwierig wird, einfach abgeben.
Nun ist es ja so, dass Lebensumstände sich ändern können. Ich persönlich habe da vollstes Verständnis für. Es kann sein, dass ein Kind in die Familie kommt und man nicht mehr genug Zeit hat, sich ausreichend um seinen Hund zu kümmern. Oder jemand im Haushalt entwickelt plötzlich eine dieser fiesen Allergien gegen Hundehaare, kann aus beruflichen Gründen keinen Hund mehr halten, muss umziehen und findet keine Wohnung, in der Hunde erlaubt sind.
Das sind nur Beispiele, aber alles Gründe dafür, warum man sich vielleicht von seinem geliebten Fellbündel verabschieden muss. Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, denn so hat die Püppi ihren Weg zu uns gefunden. Die Vorbesitzerin war einfach mit Job, Kind und Hund überfordert und ging damit ganz offen um. Es gehört eine Menge dazu, sich einzugestehen, dass es nicht geht und sich nach einer guten Lösung für den Hund umzuschauen. Verurteilende Kommentare helfen weder dem Menschen noch dem Hund.
View Comments