Die unterschiedlichen Erscheinungsformen und Charaktere der einzelnen Hunderassen sind einer der Gründe, warum wir andauernd unser Herz an die Fellnasen verlieren. Doch bestimmte Rassen sind mittlerweile nach unserem Schönheitsideal so sehr überzuchtet, dass viele bereits rassetypische Krankheiten besitzen können und darunter ein Leben lang leiden. Die häufigsten Krankheiten einiger Hunderassen, findest du im folgenden Beitrag.

Irgendwo habe ich neulich gelesen, dass circa 70% der Hunde, die in Deutschland leben echte Rassehunde sind. Offensichtlich lieben die deutschen Hundehalter die unterschiedlichen rassespezifischen Ausprägungen, wie niedliche Gesichter, kurze Nasen oder große Augen. Dies sind ja auch die Dinge, die dazu beitragen, unsere Hunde einmalig zu machen. Und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Nun ist es ja so, dass der Mensch von Natur aus darauf programmiert ist, herumzuprobieren, bis er etwas so geschaffen hat, wie er es sich vorstellt. Leider haben manchmal die Menschen auch nicht den gesunden Blick für Schönheit und versuchen dann, mit allen Mitteln nachzuhelfen. Nicht umsonst ist die Branche der Schönheitsindustrie – von Cremes bis hin zu Operationen – seit Jahren am Boomen.

Leider lassen wir diesen Wahn nach vermeintlicher Perfektion aber nicht nur an uns selbst aus, sondern vermehrt in den letzten Jahrzehnten auch an unserem liebsten Haustier – dem Hund. So kommt es, dass das Schönheitsideal bei einigen Rassen mittlerweile so skurile Züge angenommen hat, dass es für die Hunde verheerende Folgen hat.

Es gibt viele Rassen, die mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unter Atemnot, Hüft- oder Herzproblemen leiden, welche genetisch bedingt sind und sich nicht vermeiden lassen, auch wenn man den Hund sonst artgerecht und gesund hält. Am beeindruckendsten fand ich mal die Aussage eines Tierarztes, der meinte, man müsse beim Kauf einer Französischen Bulldogge direkt die Operation am Gaumensegel mit einkalkulieren, da diese bei nahezu allen Vertretern der Rasse nötig ist. Er sprach von mehr als 300 Operationen  jedes Jahr.

Doch nicht nur die Hunde leiden extrem unter diesen übertriebenen Züchtungen, sondern auch die Familien, die diese Hunde als Mitglied ihrer Lieblingsrudel ansehen. Denn Operationen oder gesundheitliche Probleme des geliebten Haustieres schränken alle ein. Es ist nicht schön, zu Hause auf den Anruf der Tierklinik zu warten, um zu erfahren, ob der eigene Hund die Operation gut überstanden hat.

Es ist daher meiner Meinung nach die Aufgabe jedes einzelnen von uns, einen Beitrag gegen diesen ungesunden Schönheitswahn zu leisten. Das kann Aufklärung von Freunden und Bekannten sein oder das Ausweichen auf Züchter, die sich der Rückzüchtung der Rassen angenommen haben, um wieder gesunde und glückliche Tiere zu bekommen. Ein Beispiel dafür sind die Retro-Möpse, die in den letzten Jahren vermehrt zu sehen sind. Sie haben wieder etwas längere Nasen, einfach damit sie überhaupt atmen können.

Ein paar der häufigsten rassebedingten Krankheiten haben wir hier für dich. Doch dieser Artikel ist auch ein Gemeinschaftswerk. Wenn ich also eine Rasse oder Krankheit vergessen habe, dann kommentiere gern unter dem Beitrag und ich werde diese Infos im Beitrag nachtragen. Vielen Dank für deine Unterstützung! ♥

Deutscher Schäferhund

Sicherlich eine der bekanntesten rassetypischen Krankheiten ist der stark abfallende Rücken beim Deutschen Schäferhund. Dabei handelt es sich um eine Fehlstellung, die schmerzhafte Folgen für den Hund haben kann: Hüftdisplasie. Dabei handelt es sich um eine Fehlentwicklung der Hüfte, durch die der Hund früher oder später Probleme mit den Hüftgelenken bekommt.

Die Behandlung dieser Krankheit ist kostenaufwendig und für den Hund sehr schmerzhaft. Experten nehmen an, dass heutzutage jeder zweite Hund dieser Rasse von der HD betroffen ist.

Grausame Tatsache: Fans der Deutschen Schäferhunde finden manchmal sogar die Hunde am Schönsten, bei denen der Rücken extrem stark abfällt. Ich weiß nicht mehr, welche Leistungsschau es war, aber es werden sogar Hunde gekürt, die noch nicht mal mehr anständig im Parcours laufen können…

Bernhardiner und Doggen

Diese beiden Rassen sind schon aufgrund ihrer Größe und des Gewichts Kandidaten für eine Fehlentwicklung der Hüfte oder Probleme mit den Gelenken. Spätestens nach ein paar Jahren bereitet ihnen das große Schmerzen, die oft auch zu Lähmungen führen können.

Die tief hängenden Augenlider mögen zwar niedlich und ein bißchen dröselig aussehen, haben aber auch den Nachteil, dass sie auf Augenentzündungen vorprogrammiert sind. Oft leiden die Tiere ihr ganzes Leben lang chronisch darunter. Eine Krankheit, die übrigens auch Mastiffs und Chow-Chows betrifft.

Labrador, Golden Retriever, Dobermann (und andere mittelgroße bis große Rassen)

Auch hier finden sich in den Zuchtlinien viele Hunde mit Hüft- oder Ellenbogendysplasie.

Dobermann

Was viele nicht wissen und was auch ich nur durch Zufall erfahren habe, hat der Dobermann so einige gesundheitliche Schwachstellen, die man beim Anblick der stolzen Tiere nicht vermuten würde. Ein großes Problem in der Zucht ist das Auftreten von DCM (dilatative Kardiomyopathie, einer Erkrankung der Herzmuskel, die dazu führen kann, dass der Hund von einem Moment auf den anderem umkippt und das Herz einfach aufhört zu schlagen.

Fieser Fakt: Diese Krankheit kann in jedem Alter auftreten, ist also keineswegs etwas, worunter nur ältere Hunde leiden. Ich habe schon von Fällen gehört, wo der 2 Jahre alte Hund beim Ballspielen gestorben ist.

Englische & Französische Bulldoggen

Die rassetypischen Probleme der Bulldoggen sind die, die meiner Meinung nach im Moment am meisten diskutiert werden. Wahrscheinlich liegt es daran, dass diese Rassen derzeit stark im Trend liegen und sich so viele Hundebesitzer mit dem Thema beschäftigen.

Ein Merkmal dieser Rasse ist der große Kopf und die verkürzte Nase. Das führt gleich zu mehreren Problemen. Zum einen ist der Kopf schon bei den Welpen so groß, dass sie häufig nicht in den Geburtskanal kommen oder einfach nicht durch passen.

Ein weiterer lebenslanger Nachteil ist, ähnlich wie beim Mops und anderen kurznasigen Rassen, die permanente Kurzatmigkeit. Die Nase ist im Verhältnis zum Kopf viel zu klein und so passiert es oft, dass die Hunde bei körperlicher Anstrengung oder bestimmten Witterungsbedingung schnell schlapp machen.

Übrigens haben diese Rassen teilweise auch so kurze Beine, dass es bei der Zucht nicht möglich ist, sich auf natürlichem Wege fortzupflanzen. Es gibt daher Züchter, die ihre Hündinnen nur künstlich befruchten können, was ziemlich unromantisch ist.

Eine Operation, die ich Eingangs schon erwähnt hatte, ist die am Gaumensegel des Hundes. Durch die verkürzte Nase ist das Gaumensegel bei vielen Hunden zu groß und beeinträchtigt zusätzlich die Luftzufuhr des Hundes. Von einem erfüllten Leben kann dann oft keine Rede mehr sein, geschweige denn von einem artgerechten. Hinzu kommen die Kosten für eine solche Operation, die zwischen 1.500,00 € und 2.000,00 € liegen können.

Mops & Pekinese

Wie auch die Bulldoggen, leiden auch Möpse und Pekinesen extrem unter ihren verkürzten Nasen. Das Atmen fällt ihnen schwer und sie können ihre Körperwärme nicht so gut regulieren. Im schlimmsten Fall kann der Hund hyperventilieren oder einfach in Ohnmacht fallen. Gerade bei Möpsen besteht im Sommer auch die Gefahr vor Hitzschlag.

Pekinesen leiden oft zusätzlich dazu auch noch an Bindehautentzündungen, die chronisch werden können. Außerdem gibt es Möpse, die so kompakte Körper haben, dass sie eigentlich nur im Sitzen schlafen können. Würden sie sich hinlegen, würden sie im Schlaf ersticken. Auch das oben bereits genannte Problem mit dem Gaumensegel ist bei Möpsen keine Seltenheit.

Besonders Möpsen haben aufgrund ihres kleinen Gesichtes und der kurzen Nase oft überproportional große Augen. Was viele nicht wissen und ich eigentlich auch nicht unbedingt wissen will, ist die Tatsache, dass bei einigen Vertretern der Rasse sogar regelmäßig die Augäpfel aus dem Schädel fallen und dann von ihren Besitzern wieder reingedrückt werden müssen. Wie eklig ist das denn bitte?

Boxer

Auch der Boxer hat, aufgrund seiner verkürzten Nase, häufig unter Atemproblemen zu leiden. Bezeichnend für die Optik der Rasse ist jedoch der Unterbiss, das so genannte Hechtgebiss. Dabei ragt der Unterkiefer deutlich unter dem Oberkiefer hervor, was dazu führt, dass z.B. die Hundemutter die Fruchtblasen ihrer Welpen nicht mehr allein zerbeißen kann. Das vergrößert die Gefahr, dass die Welpen während der Geburt ersticken. Außerdem kann es zu Problemen beim Fressen kommen, denn der Hund kann die Nahrung schlechter aufnehmen und kauen.

Shar Pei

Diese Rasse stammt aus Japan und ist bekannt für ihre unendlich vielen Hautfalten, die dadurch entstehen, dass der Hund einfach viel zu viel Haut hat. Bei Welpen kann es dazu kommen, dass sie ihre Augen nicht öffnen können, aber noch viel schlimmer sind die chronischen Hauterkrankungen, unter denen diese Rasse häufig zu leiden hat. Die Falten sind ideale Brutstätten für Bakterien und Parasiten und nur sehr schwer sauber und trocken zu halten.

Erwachsene Shar-Peis leiden darüber hinaus häufig an heftigem Fieber, den so genannten Shar-Pei-Fieber. Hierbei handelt es sich um eine Erbkrankheit, die häufig familiär bedingt ist.

Gruselige Info: Bei Shar-Pei-Welpen, die mit zu viel Haut geboren wurden, wird diese übrigens teilweise am Kopf festgenäht, damit die Hunde sich normal entwickeln können. Manchmal werden sogar ganze Teile der Haut operativ entfernt.

Chinesischer Schopfhund und andere Nackthunde

Wenn du mich fragst, ist genau das flauschige Fell einer der Gründe, warum ich Hunde liebe. Sicherlich, im Fellwechsel kann das schon mal eine haarige Angelegenheit werden, aber ansonsten kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als das weiche Fell meiner Hunde zu streicheln oder abzuknutschen.

Besitzer von chinesischen Schopfhunden oder mexikanischen Nackthunden scheinen darauf verzichten zu können. Diese Rassen haben sind bekannt für ihre nackte Haut und eine kleine Tolle auf dem Kopf. Hier ist das genetische Material der Hunde soweit verändert, dass sich gleichzeitig oft auch eine Fehlstellung des Gebisses dazu gesellt. Das kann zu Problemen bei der Atmung und dem Fressen führen. Außerdem kann das Immunsystem dieser Tiere sehr schwach sein.

Dackel & Basset

Diese Rassen sind bekannt für ihre langen Körper und die kurzen Beine. Diese unnatürlichen Körperproportionen können zur so genannten Dackellähme führen. Das ist ein Art Bandscheibenvorfall, bei dem die Nerven in der Wirbelsäule abgedrückt werden und der Hund die Kontrolle über Teile seines Körpers verliert. Dies kann nur mühsam therapiert werden und führt oft dazu, dass die Tiere nie wieder Rennen, Springen oder Toben können, was auch ausgelassenes Spiel mit Artgenossen gefährlich macht. Treppen sollten diese Rassen ohnehin nicht steigen müssen.

Bei Dackeln gibt es in vielen Linien auch das Problem der Herzklappeninsuffizienz, die oft mit Erweiterung einer Herzhöhle oder Schwierigkeiten beim Blutpumpen einher geht. Bei den Bassets kommt es aufgrund der langen, herunter hängenden Ohren oft zu Entzündungen und die herab hängenden Augenlider sorgen für Augenentzündungen. Beides kann chronisch werden und den Hund sein Leben lang beeinträchtigen.

Chihuahuas

Chihuahuas haben nicht nur das Problem, dass sie von kaum Jemandem richtig ernst genommen werden (weshalb viele auch sehr unsicher und biestig sein können), sondern ihre niedlichen kleinen Körper und Gesichter bringen sie in viele Gefahren.

Die Augen sind aufgrund des kleinen Kopfes nicht nur überproportinal groß, sondern auch extrem anfällig für Verletzungen. Sie sind einfach weniger geschützt, da sie förmlich aus dem Schädel heraustreten. Auch das Gehirn kann durch Missbildungen am Schädel nicht ausreichend geschützt sein. Daher kann bereits ein kleiner Sturz und ungünstiges Aufkommen für den Chihuahua tödlich sein.

Cavalier King Charles Spaniel

Das hat mich selbst überrascht, weil man es den netten Cavaliers nicht auf den ersten Blick ansieht: Der runde Kopf und die großen Augen verleihen ihm ein kindliches Aussehen, bei dem man die kleinen Racker einfach sofort in sein Herz schließen muss. Doch der Kopf ist viel zu klein für das Gehirn!

Und so kommt es, dass das Gehirn gegen die Schädeldecke drücken und bestimmt Bereiche beeinflussen kann. In einem Bericht habe ich mal Hunde gesehen, die nach imaginären Fliegen schnappen und andere Haluzinationen aufweisen. Oft drückt das Gehirn auch auf den Rückenmarkskanal (Syringomyelie), was dazu führt, dass die Nervenbahnen geschädigt werden und beim Hund für extreme Schmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen führen kann.

Fiese Info: Die Syringomyelie kann zwar operiert, jedoch nicht geheilt werden. Eine Operation kann lediglich das Fortschreiten der Krankheit verhindern.

Welche Rasse soll es werden?

Ich kann das ja voll und ganz verstehen, wenn du jetzt sagst, dass eine dieser hier aufgeführten Rassen trotzdem deinem Wunschhund entspricht. Immerhin ist nicht nur das Aussehen, sondern auch der Charakter wichtig bei der Wahl des passenden Hundes. Und alle der hier aufgeführten Rassen sind ohne Frage charakterlich extrem liebenswert, das möchte ich gar nicht bestreiten.

Die Frage ist nur, WIE wählst du deinen Traumhund aus, wenn du es auf eine bestimmte Rasse abgesehen hast. Unabhängig von den generellen Überlegungen, wenn du dir einen Hund anschaffst, sollten auch solche gesundheitlichen Fragen mit im Mittelpunkt stehen. Erkundige dich genau, welche Merkmale deine Lieblingsrasse gesundheitlich mitbringt und welche Auswirkungen das auf das Zusammenleben mit deinem Hund haben kann. Muss er unbedingt so eine kurze Nase haben oder ist vielleicht eine gesündere Zuchtlinie die bessere Alternative?

Es gibt übrigens immer mehr Züchter, die sich von den Qualzuchten distanzieren und wieder mehr das ursprüngliche (und gesündere) Erscheinungsbild der verschiedenen Rassen herausbringen wollen. So gibt es z.B. seit einigen Jahren die beliebten Möpse auch als Retro-Variante. Schau mal in unserem Instagram-Lieblingsrudel vorbei, da sind auch ein paar Vertreter zu finden.

Habe ich eine Rasse vergessen, die hier nicht fehlen darf? Dann schreib gern in die Kommentare und ich trage dies im Beitrag nach. Vielen Dank für deine Unterstützung. Wenn dir der Beitrag gefallen hat und er auch anderen in deinem persönlichen Lieblingsrudel helfen kann, dann teile ihn gern. Sharing is caring!

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