Endlich ist der Frühling da! Doch leider mit ihm auch die Zecken, die nun wieder vermehrt aktiv werden. Viele von uns greifen daher nun wieder zu chemischen Spot-On, Kautableten oder Futterzusätzen, die die widerlichen Plagegeister von unseren Hunden fern halten sollen. Doch was tun diese Chemiekeulen eigentlich mit unseren Hunden? Und welche Alternativen gibt es?

Ich muss sagen, ich bin echt sauer! Auf meine neue Tierärztin und vor allem auf mich selbst! Denn ich habe meine Hunde vergiftet!

Vor ein paar Wochen ging es zur unumgänglichen Impfung, denn die beiden Spacken sollten für ein paar Tage in die Tierpension und da ist das leider Pflicht! Bei der allgemeinen Untersuchung stellte sich heraus, dass Flohkot im dicken Winterfell war und das geht natürlich gar nicht. Obwohl ich glaube, dass es sich noch um die Reste unseres Flohbefalls handelte und keine lebenden Viecher mehr an den Hunden saugten. Denn ich hatte schon lange nichts mehr krabbeln und hüpfen sehen.

Meine neue Tierärztin schlug daher vor, die beiden mit einem Mittel gegen Parasiten zu behandeln und hielt mir eine Kautablette von Nexgard unter die Nase. Die roch lecker nach Rinderbrühe, was die Tierärztin auch als schlagendes Verkaufsargument anführte. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, aber ich habe zugestimmt, dass beide eine bekommen sollten. Dabei sollte ich es wirklich besser wissen, denn:

  • Nur weil sie lecker riecht (wie ein Brühwürfel), heißt das noch lange nicht, dass sie auch lecker ist!
  • Man stopft nichts in den Hund, ohne sich vorher die Inhaltsstoffe anzuschauen!
  • Nicht jeder Tierarzt ist intelligent genug, sich eine vom Pharmakonzern unabhängige Meinung zu bilden!
  • Chemische Produkte, die Parasiten abtöten, sind nicht automatisch ungefährlich für den Hund!

Ich könnte mir wirklich selber in den Hintern treten, dass ich so leichtgläubig davon ausgegangen bin, dass das schon in Ordnung ist. Wenigstens war ich so clever, mir einen Infoflyer des Produktes mitzunehmen und diesen zu Hause in Ruhe durchzulesen. Und da fiel es mir wirklich wie Schuppen aus den Haaren. Mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich daran denke, dass diese Chemokeule in meine sorgsam gepflegten, artgerecht ernährten Hunde gelangen konnte.

Kautabletten gegen Zecken, Flöhe und Würmer

Es gibt verschiende Präparate auf dem Markt, die ähnlich wie die Kautabletten von Nexgard aufgebaut sind und wirken. Fast alle davon bestehen aus purer Chemie!

Die Beratung meiner Tierärztin war erschreckend schlecht. Kein Wort zu Wirkstoffen, Nebenwirkungen oder sonstigen Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Präparat. Offensichtlich reicht es den meisten Hundebesitzern (mich in dem Fall eingeschlossen), dass die Tapletten angeblich vier Wochen lang gegen Zecken und andere Parasiten helfen sollen. Und zwar von innen, also nicht, wie bei Spot-On Mitteln durch Auftröpfeln auf die Haut. Man kann nach Gabe dieser Mittel also ohne Angst den Hund streicheln, kuscheln und auch Baden hat keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt. Keinerlei Gefahren für Mensch und Umwelt, da es ja oral verabreicht wird.

Der Wirkstoff ist Afoxolaner und gehört zur Gruppe der insektiziden und akariziden Wirkstoffe. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist Erbrechen, was ich bei meinen beiden Hunden noch am selben Tag feststellen konnte. Murdoch begann außerdem, sich intensiv zu kratzen. Das kenne ich schon von früher von den Spot-On-Mitteln, die ohne Ausnahme immer zu Hautreizungen und Irritationen geführt haben. Da hatte mein alter Hund Herr Dr. Schröder auch immer allergische Reaktionen, die teilweise wochenlang anhielten. Nur einer der Gründe, warum ich irgendwann davon abgesehen habe, meine Hunde damit zu behandeln. Weiterhin bekannte Nebenwirkungen von Afoxolaner sind Durchfall, Juckreiz, Lethargie und Anorexie.

Die Wirkung der Kautabletten

Damit der Wirkstoff auch bei den Parasiten wirkt, muss der Hund erst mal gebissen werden. Denn der Wirkstoff zirkuliert sowohl bei den Kautabletten als auch bei herkömmlichen Spot-On-Mitteln im Blutkreislauf des Hundes. Beißt die Zecke den Hund, nimmt sie dieses Gift durch das Blut auf und soll innerhalb von 48 Stunden absterben. Hallo? 48 Stunden? FSME-Viren werden sofort übertragen, wenn die Zecke den Wirt beißt. Bei Borreliose dauert es etwa 12-24 Stunden, bis der Erreger übertragen wird. Das bedeutet also, dass dein Hund trotz Chemokeule nicht gegen die Krankheiten abgesichert ist, die von Zecken übertragen werden.

Auch Flöhe, die laut Infoflyer nach 8 Stunden abgetötet werden, haben noch jede Menge Zeit, Krankheiten auf den Hund zu übertragen. Durch das Nervengift, das sie mit dem Biss aufnehmen, laufen sie außerdem Amok und spielen regelrecht verrückt. Das heißt, sie beißen noch viel mehr als normal und können damit beim Hund einen erhöhten Juckreiz auslösen.

Langzeitwirkungen

Meine Tierärztin empfahl mir, beiden Hunden alle 4 Wochen prophylaktisch dieses Mittel zu verabreichen. In unserer Gegend scheint immer Zeckensaison zu sein, denn ich habe vor Kurzem auch bei -14 Grad Celsius eine Zecke auf Püppi entdeckt. Das würde also bedeuten, dass wir 12 mal im Jahr dieses Medikament verabreichen müssten. Meine Hunde würden also permanent einen Giftcocktail bekommen, der langfristig in ihrem System bleibt.

Bei uns sind jetzt knapp acht Wochen seit der Gabe der Kautablette rum und die beiden haben immer noch keine Zecken mit nach Hause geschleppt. Das ist auf der einen Seite natürlich erfreulich, auf der anderen frage ich mich jedoch, warum ich blind alle vier Wochen diese Chemokeule verabreichen soll?

Was man auf jeden Fall bedenken muss ist, dass es sich bei diesen chemischen Präparaten um Nervengifte handelt, welche die Parasiten abtöten sollen. Diese Nervengifte sind natürlich auch im Körper des Hundes und kursieren dort wochenlang durch Leber, Herz,  Lunge und alle anderen Organe. Nur sind Hunde aufgrund ihres höheren Körpergewichtes davon nicht ganz so stark betroffen. Diese Mittel stehen aber trotzdem in Verdacht, u.a. Krebs und Epilepsie zu verursachen. Und was bei langfristiger Gabe mit dem Hund passiert, können wir uns nur ausmalen. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass eine jahrelange Dauerbelastung durch diese Nervengifte nicht irgendwann auch dem Hund gesundheitliche Probleme bereitet.

Fazit

Ich habe gleich mehrere Schlussfolgerungen aus dieser Erfahrung gezogen. Zum einen suche ich mir natürlich eine neue Tierärztin, die etwas ganzheitlicher mit der Gesundheit meines Lieblingsrudels umgeht und nicht alles streng nach Vorschrift der schulmedizinischen Lehrbücher behandelt. Zum anderen werde ich beim nächsten Tierarztbesuch aufmerksamer sein und mir nicht jeden Mist aufschwatzen lassen, nur weil es gerade komfortabel erscheint.

Darüber hinaus beschäftige ich mich gerade mit natürlichen Anti-Zeckenmitteln und teste verschiedene Produkte durch. Diese werde ich in nächster Zeit auch in einem Blogbeitrag vorstellen und damit hoffentlich auch allen anderen im Lieblingsrudel helfen. Es wird ja unter anderem ätherischen Ölen eine abwehrende Wirkung gegen Parasiten nachgesagt. Ich habe verschiedene Hersteller gefunden, deren Produkte rein natürlich sind. Den Link zu dem Blogbeitrag stelle ich hier in den nächsten Tagen zur Verfügung.

Ich kann dir natürlich keine Vorschriften machen, was du deinem Hund gegen die Parasiten gibst. Da muss jeder für sich die beste Lösung finden. Aber ich möchte dir trotzdem ans Herz legen, dich mit dem Thema genau auseinander zu setzen und nicht einfach unreflektiert auf deinen Tierarzt zu hören. Der verkauft dir im Zweifelsfall ein Mittel von einem Pharmakonzern, ohne sich selbst über die langfristige Wirkung Gedanken zu machen. Leider ist nicht jeder Tierarzt automatisch nur an der Gesunderhaltung des Hundes interessiert. Du als Halter hast die schlussendliche Verantwortung für die Gesundheit deines Tieres.

Hat dir der Artikel gefallen und weiter geholfen? Dann teile ihn gern mit deinen Freunden und informiere so noch mehr Hundehalter über die Gefahren von chemischen Anti-Zecken-Mitteln. Wenn du Anregungen, Fragen oder Tipps zu dem Thema hast, freuen wir uns auf deinen Kommentar.

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3 Kommentare

Ines · 1. Mai 2018 um 9:31

Ohne Nebenwirkungen gibt es kaum etwas – und die Nebenwirkungen von Zeckenbissen braucht auch kein Tier und Hund. Paul bekommt die Bravecto Tabletten mit anderem Wirkstoff, aber nur zwei im Jahr (die sollen drei Monate wirken). Die erste, wenn im April die ersten Zecken krabbeln. Die zweite im Juli und dann kommen wir bis zum Saisonende gut aus. Er hat keine sichtbaren Nebenwirkungen und die Zecken sterben sehr schnell ab. Bei dem Mittel übrigens schneller als bei Deinem. Ich schätze die Gefahr der Krankheitsübertragung durch Zecken als höher ein den möglichen Schaden durch die Tablettenwirkstoffe. Außerdem verringert es die Chance auf im Haus herumlaufende lebende Zecken, die sich mich aussuchen. Ich ziehe solche Viecher leider an und in unserer Gegend leben extrem viele Zecken und es gibt sehr viele mit Boreliose (erkrankte Menschen im Umfeld und Tests der Tierärztin bestätigen das).

Diesen Beitrag dazu finde ich lesenswert:

http://fluffology.de/post/schlimm-schlimmer-bravecto

Vor allem in dem Punkt, dass man das im Einzelfall abwägen sollte, stimme ich da zu. Wenn Deine Hunde schon andere Präparate nicht vertragen haben, ist für sie Chemie hier vermutlich wirklich keine gute Lösung.

Kokosöl hält hier übrigens nichts ab – zu Beginn ausprobiert von innen und außen … Schwarzkümmelöl habe ich dann gar nicht mehr erst probiert. Bin gespannt auf Deinen Test der Alternativen.

Bei unserer Tierärztin, die sogar ins Haus kommt, gefällt mir gut, dass sie wirklich dazu berät. Und sie hat kein monetäres Interesse daran, weil ich die Tabletten nicht bei ihr kaufe, weil ich sie direkt über eine Apotheke beziehen kann. Auch bei Impfungen lässt sie mir die freie Wahl und sagt durchaus, dass sie bei einigen Impfungen davon ausgeht, dass die länger wirken, wir also die Zeiten dazwischen verlängern. Und sie besteht nicht auf Kombipräparaten, sondern ich kann auch einzelne weglassen, wenn ich das will. Das gefällt mir.

    Franziska · 2. Mai 2018 um 13:28

    Danke für den Link, liebe Ines! Das werd ich mir die Tage mal in Ruhe durchlesen. 🙂
    Ja, ohne Nebenwirkungen gibt es kaum was, aber ich werde immer grüner und grüner (seit “Grüner Hund”, das hat mir wirklich die Augen geöffnet). Und jetzt setze ich alles dran, eine besssere Lösung zu finden. Was mich am meisten ärgert ist diese mangelnde Aufklärung seitens der Tierärztin. Kann ja jeder so machen, wie er denkt, aber kein Wort zu den Inhaltsstoffen und nur “riecht lecker” ist schon schockierend. Aber da bin ich selber Schuld. Ich hätte es besser wissen müssen. Naja, die Nebenwirkungen sind vorbei und heute kam das erste Testpaket natürlicher Mittel. Ich bin gespannt, wie das hier hilft.

    Bei uns sind die Zecken nämlich sehr gefräßig und gehen auch gern auf uns Menschen über. Das kommt davon, wenn die Viecher auf die Couch und ins Bett dürfen… 😛

      Ines · 2. Mai 2018 um 16:07

      “kein Wort zu den Inhaltsstoffen und nur “riecht lecker” ” von der Tierärztin finde ich auch absolut unpassend. Das alleine wäre für mich auch ein Grund, eine andere Praxis aufzusuchen. Manchmal lässt man sich leider überrumpeln und fragt sich erst hinterher, was da eigentlich gerade passiert ist. Das passiert wohl leider jedem mal.

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