3 Herausforderungen, vor die mein Cane Corso Italiano mich gestellt hat

Letzte Woche haben wir über die rassetypischen Eigenschaften des Cane Corso Italiano gesprochen. Diese Woche verrate ich dir, vor welche Herausforderungen mich unsere Cane Corso Hündin Freya (Püppi) gestellt hat und warum ich sie dafür so liebe. Dich erwartet jede Menge Lobhudelei und Schönreden der einen oder anderen Macke.

Natürlich hatte ich mich vorab mit der Rasse, ihren Eigenschaften und Charakter beschäftigt. Schließlich sollte man wissen, was man sich da für einen Hund nach Hause holt, was seine Bedürfnisse sind und wo man in der Erziehung besonders aufpassen sollte. Da wir Murdoch ja bereits hatten, war seine Meinung bei der Auswahl unseres Zweithundes am wichtigsten. Bevor wir uns also endgültig entschieden haben, konnten sie die beiden erst mal kennen lernen. Wie wir das genau gemacht haben, worauf man achten sollte und wie man die Integration des neuen Hundes im Haushalt entspannt und freundlich über die Bühne bringt, dazu habe ich schon mal einen Beitrag geschrieben. Hier kannst du ihn lesen: "Ein Zweithund zieht ein"

Trotz aller theoretischer Vorbereitungen stellte Püppi uns dann doch vor 3 Herausforderungen, die uns im Nachhinein betrachtet, persönlich wachsen lassen haben. Und das ist auch der Grund, warum ich sie so vergöttere! Ich liebe ihre Direktheit, an der menschliche Schwächen einfach abprallen. Die Lektionen, die Püppi mir über mich selbst gelehrt hat, möchte ich heute mit dir teilen. Vielleicht hast du ja schon mal ähnliche Erfahrungen mit einem Hund gemacht? Dann freuen wir uns auf dein Feedback in den Kommentaren. 🙂

Herausforderung 1:

Über alles erhabener Rudelführer werden

Unser "Abtasten" in Bezug auf die Qualitäten des Rudelführers begann genau in dem Moment, in dem mir Püppis Leine in die Hand gedrückt wurde. Ohne große Umschweife sprang sie in ihrem jugendlichen Übermut an mir hoch, griff mit dem Maul sanft um mein Handgelenk und schaute mir tief in die Augen. Sie biß nicht zu, sie hielt nur fest. Und schaute mich an.

Ich zeigte mich wenig beeindruckt und hebelte meinen Arm mit einem ruhig "Nein" realtiv leicht aus ihrem Maul. Sie sprang an mir hoch und rempelte mich dabei an. Auch davon ließ ich mich nicht aus der Reserve locken, sondern ich lief einfach erst mal los zu einer Gassirunde. Laufen verbindet! Bei ihrem zukünftigen Herrchen war sie übrigens sofort zahm wie ein Lamm, die Frage nach der "Ranghöhe" kam nur bei mir auf. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit meinen knapp 50kg Körpergewicht der natürliche erste Ansatzpunkt bin...

Auf der Rückfahrt nach Hause machten wir ein Stop an der Raststätte und ich nahm Püppi mit auf eine kleine Pullerrunde. Als sie länger an einer Stelle schnüffelte, wollte ich die erste freundliche Annäherung wagen und ging seitlich zu ihr gedreht in die Knie. Sie kam näher, rempelte freundlich in mich rein und griff sich wieder mein Handgelenk. Dann schaute sie mir wieder in die Augen, ganz nach dem Motto: "Na, was machst du jetzt?"

Die Tatsache, dass sie nur ganz leicht fest hielt und mich abwartend anschaute, ließ mich keinen Moment daran zweifeln, dass alles okay war. Auch wenn sie meinen Arm sicherlich in einem Haps durch gehabt hätte. Als sie ein paar Schritte um mich herum gehen wollte, nutze ich meine Chance, griff ihr ins Nackenfell und drückte sie leicht auf die Seite. Sie quittierte das mit einem erstaunten Knurren, immer noch meinen Arm festhaltend. Wir hielten beide einander fest und schauten uns an. Dabei konzentrierte ich mich auf die Festigkeit ihres Griffes und genau in dem Moment, in dem sie locker ließ, ließ auch ich sie gehen. Da machte es Klick bei ihr - das konnte man förmlich hören!

Ich war während der ganzen Aktion weder sauer, noch aufgeregt oder dominant. Ich habe ihr lediglich erklärt, dass sowas nicht drin ist. Wenn sie damit anfängt, kann ich auch anders. Das war das letzte Mal, dass sie das je bei jemandem gemacht hat. Offensichtlich waren damit die Fronten klar und sie zufrieden: Die sieht zwar aus, wie das schwächste Mitglied im Rudel, hat aber eigentlich die Hosen an.

Diese eine Sache allein macht einen natürlich noch nicht zum Rudelchef. In den kommenden Wochen testete Freya immer wieder, welche Grenzen wo bestehen und ob man sie nicht vielleicht doch ein wenig verrücken könnte. Hier zeigte sich, wie sensibel sie auf Stimmungen reagiert, was mich dazu zwang, mich im Umgang mit ihr immer wieder zu reflektieren und bestimmte Verhaltensmuster meinerseits zu ändern. Ungeduld, Frustration oder übertriebene Strenge brachten bei ihr rein gar nichts. Sie schaltete dann einfach auf stur und zeigte mir durch absolute Verweigerungshaltung, dass sie so nicht mit sich reden lässt. Sie legt Wert auf Freundlichkeit und Teamgeist bei allem, was wir gemeinsam unternehmen. Und das auf eine Art und Weise, wie wir es in der Menschenwelt nur ganz selten und bei wirklich außergewöhnlichen Anführern finden. Mit beeindruckender Ruhe und Souveränität! ​

Herausforderung 2:

Achte auf deine Körpersprache

Wer mich ein bißchen kennt, der weiß, wie sehr mich die Körpersprache der Hunde fasziniert. Das ist ja auch einer der Gründe für meinen Blog. Hunde sind im Umgang miteinander so einfach, zuvorkommend und gütig, dass wir Menschen uns davon manchmal eine Scheibe abschneiden könnten. Schon bevor Freya zu uns kam liebte ich es, Hunde in der Interaktion miteinander zu beobachten. Deshalb nutzte ich schon mit meinem ersten Hund, und jetzt auch mit Murdoch, jede Gelegenheit, Tages- oder Übernachtungshunde von Freunden zu nehmen. In meinem Lieblingsrudel fühle ich mich einfach am wohlsten! 😉

Bevor Freya kam dachte ich, ich wüßte grob Bescheid über die menschliche und hündische Körpersprache, ihre Unterschiede und wie beide manchmal aufeinander knallen, was dann für ordentlich Missverständnisse sorgt. Seit Freya bei uns ist, ist mir klar, dass ich nicht die geringste Ahnung habe. Denn dauernd tappe ich in Fettnäpfchen, wo sie ganz plötzlich meine Ausstrahlung zutiefst suspekt findet und auf Durchzug schaltet. Meist ist das in Momenten, in den ich es eilig habe, genervt oder gestresst bin.

Im ersten halben Jahr musste ich stark an meinem körpersprachlichen Dialekt arbeiten, mittlerweile geht´s aber. Vornüber gebeugt auf sie zukommen ging zum Beispiel am Anfang gar nicht und wurde grundsätzlich mit einem misstrauischen Blick quittiert. Von oben den Kopf tätscheln wollen oder eine Attacke mit der Zeckenzange sind auch heute teilweise noch höchst beunruhigende Aktionen.

Murdoch hat viel geholfen und den Vermittler gespielt. Immerhin kannte er meinen Dialekt bereits seit 3 Jahren und hat mich oft bei der Überzetzung unterstützt, was auch ihr das Einleben ins neue Rudel leichter gemacht hat. Durch Püppis tolle Sozialisation mit anderen Hunden eignet sie sich auch bestens dafür, Studien am lebenden Objekt zu machen. Die klare, direkte und sanfte Weise, wie sie sich besonders mit Murdoch verständigt, ist echt herzerwärmend. Ich kann gar nicht aufhören, die beiden zusammen zu beobachten. 🙂

Herausforderung 3:​

Seinem Bauchgefühl vertrauen

Kennst du das auch, dass du dir bei bestimmten Menschen manchmal nicht sicher bist, ob man ihnen trauen kann oder nicht? Und neigst du dann dazu, dein Bauchgefühl mit logischen Gedankengängen wegzureden? Nun, mit einem Cane Corso Italiano kann dir das wahrscheinlich nicht passieren. In Teil 1 des Blogs hatte ich ja schon darüber geschrieben, dass sie sehr gut zwischen Freund und Feind unterscheiden können. Da stehen sie dann auch sehr konsequent hinter ihrer Entscheidung.

Wie nah die beiden Zustände der Ablehnung und Zuneigung bei Püppi zusammen liegen, habe ich neulich innerhalb weniger Minuten erfahren dürfen. Und zum Thema Bauchgefühl soll dieses Beispiel exemplarisch für viele andere gelten, die ich in meiner Zeit mit ihr schon erlebt habe. Diese eine Begebenheit war jedoch sehr bezeichnend.

Wir waren Freunde von uns besuchen, die gerade ein Baby bekommen hatten und wollten gemeinsam grillen. In der Nachbarschaft wohnt jemand, mit dem wir ebenfalls mal befreundet waren. Diese Freundschaft endete durch einen Streit (dank Missverständnis). Seit etwa 2 Jahren hatten wir kein Wort mehr miteinander gewechselt. Die Gründe dafür sind egal. Dieser Freund hatte allerdings in der Zeit nach dem großen Streit Probleme mit mehreren Nachbarn und hatte bald seinen Ruf als Unruhestifter weg. Ist aber auch egal.

Als wir also neulich auf dem Weg zu unseren Freunden mit dem Baby waren, begegneten wir ihm. Offensichtlich war er genauso überrascht wie wir und vor lauter Schreck begann er mit uns über den neuen Hund (Püppi) zu sprechen. Ich hatte Murdoch an der Leine und Herrchen war ein Stück hinter uns mit Püppi unterwegs. Herrchen blieb stehen und sie redeten ein paar Sätze. Dann wollte der ehemalige Freund Püppi streicheln und ging mit ausgetreckter Hand auf sie zu. Sie legte den Rückwärtsgang ein, fixierte und knurrte drohend. Keine Ahnung, ob sie meine Energie aufgeschnappt hat oder ob es tatsächlich an der Ausstrahlung und Körpersprache hing, aber ich tippe mal auf letzteres.

Wenn Püppi knurrt und sich das Nackenfell aufstellt, kann man schon beeindruckt sein. Sie sieht dann aus wie ein Löwer mit mächtiger Mähne. Der ehemalige Freund wich also zurück und fragte erschrocken, ob die immer so viel Angst vor Menschen habe. Ich persönlich glaube nicht, dass das Angst war. Ich glaube, es war eine deutliche Ansage: "Komm mir nicht zu nahe!" Sicherlich hätte es auch geholfen, wenn er die Sonnenbrille abgenommen hätte, bevor er Püppi anspricht. 😉

Wenig später kamen wir bei unseren Freunden an und Püppi hatte sich wieder entspannt. Als die frisch gebackene Mama mit Baby auf dem Arm aus der Tür trat, leuchteten Püppis Augen auf. Sie liebte Kinder und so frisch geschlüpft waren sie umso besser. Vor lauter Begeisterung schnappte sie sich einen Plastikindianer, den die älteren Kinder herum liegen lassen hatten und brachte ihn zur Mama - inklusive komplett hin und her eierndem Körper, vor lauter Freude. Vorsichtig schnüffelte sie an den Babyfüßchen, die unten aus der Decke heraus guckten und machte das niedlichste Gesicht, das ich bei ihr jemals gesehen habe. 

Die Mama setzte sich dann zu uns auf die Gartenbank und Püppi legte sich zu ihren Füßen. Etwas später am Abend durfte sie dann sogar neben der Mama und dem Baby auf der Bank Platz nehmen und dann kannte ihre Begeisterung keine Grenzen mehr. Sehr vorsichtig und respektvoll versuchte sie, näher an das Baby zu robben und als die Mama sie entspannt einlud, sich neben sie zu legen, war ihr Glück perfekt. Sie ließ sich von der Mama kraulen und genoß es sichtlich. Sogar auf den Rücken, eine sehr sensible Stelle, drehte sie sich.

Sie war ganz das Gegenteil zu der Püppi von vorher, die jemandem mit einem eindeutigen Knurren ihre Abneigung signalisiert hatte. Aber wer kann schon nicht einer Mama mit einem Neugeborenen auf dem Arm trauen?

Zum Thema Knurren bei Hunden haben wir einen Beitrag veröffentlicht, der dir zeigt, wie du Knurren beim Hund richtig interpretierst und was du tun kannst. Im Beitrag gibt es außerdem ein kostenloses Merkblatt über die Verhaltensweisen, die bei Hunden Zuneigung bzw. Abneigung signalisieren. Hier kannst du den Beitrag lesen. ​

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Wer Hunde nicht mag, ist mir von vornherein schon mal suspekt. Außer mein Vater, der ist bekennender Katzenfan, aber ich bin mir sicher, er will mich damit nur ärgern. Aber generell bin auch ich im letzten Jahr (dank Püppi) etwas konsequenter geworden. Besonders, wenn es darum geht, wessen Meinung und Freundschaft mir wichtig ist.

Hier also 3 Dinge, die mir meine Cane Corso Hündin beigebracht hat. Seit sie bei uns ist hat sich für mein Leben viel geändert. Auch wenn sich Anfangs nicht alles so toll angefühlt hat, bin ich jetzt dankbar für diese teilweise sehr schwierigen Lektionen. Wie hat dein Hund dein Leben verändert und was hast du von ihm gelernt? Hast du schon mal solch eine Erfahrung gemacht? Lass es uns wissen in den Kommentaren.

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