Cane Corso Italiano – Die Abrechnung

Ich möchte das Thema Cane Corso Italiano noch einmal aufgreifen. Nachdem ich in Teil 1 und 2 meiner Blogserie bereits auf die Rasse an sich und meine Püppi im Speziellen eingegangen bin, will ich im dritten Teil Klartext sprechen, was hinter dem geheimnisvollen Wesen des Cane Corso wirklich steckt.

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Sie sehen stolz aus und haben eine ehrwürdige Ausstrahlung. Viele Menschen fühlen sich von ihrer zunächst unnahbaren Art angezogen. Es gibt sogar Leute, die vergöttern diese Rasse (mich eingeschlossen). Sie sind durchaus beeindruckend, wenn sie mit den Bewegungen eines Tigers neben dir laufen und einfach nur präsent sind. Man könnte schon meinen, Cane Corsos sind die hündische Verkörperung von Gott. Zumindest halten sich die meisten Cane Corsos dafür. 

Aber ich kenne die Wahrheit. Ich lebe mit einem zusammen. Ich weiß, was sie macht, wenn sie nicht total obercool ist. Und sie macht mich wahnsinnig!

Deshalb sprechen wir heute, nach der Lobhudelei der vorherigen Beiträge mal über die kleinen Unzulänglichkeiten des Cane Corso Italiano. Wer übrigens die ersten beiden Teile verpasst hat:​

Intestinorum ventus (Pupsen)

Mir passiert es häufiger, dass ich irgendwo rumsitze und die Püppi setzt sich vor oder neben mich. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Zweisamkeit genießen will oder es tut, um mich zu bewachen. Ich rede mir ein, es ist Ersteres.

Sie starrt ungerührt in die Ferne und macht dabei ihren typisch unbeeindruckten Gesichtsausdruck. Sie sitzt aufrecht und stolz, ist super fokussiert auf´s Bewachen und reagiert mit Missachtung auf jeglichen Kontaktversuch meinerseits.

Also lehne ich mich zurück und betrachte das Viech. Ich habe auf Fotos gesehen, dass ihr Kopf größer ist als meiner! Ihr Hintern ist es auf jeden Fall. Und das soll jetzt auf gar keinen Fall abwertend klingen, eher bewundernd. 😉

Ich bewundere ihre Stärke und Anmut (trotz ihres beachtlichen Gewichts von 46 kg) und bin der festen Überzeugung, es würde eine alte Seele in ihrem Körper wohnen. Und in dem Moment, in dem mir die Herzchen in die Augen steigen, passiert es...

Ein leise knatterndes Geräusch setzt ein, das meist für mehrere Minuten anhält. Zuerst ahnst du es nur, dann fragst du dich, ob auch andere es hören und dann, wer zur Hölle das ist! Der Hund kann es auf jeden Fall nicht gewesen sein, denn der zuckt mit keiner Wimper.

Oh, doch - er war es! Und es ist noch lange kein Ende in Sicht. Denn Cane Corsos sind berühmt-berüchtigt für ihre Darmwinde! Also nichts für feine Nasen.

Und wehe, man macht Witze darüber! Dann bekommst du garantiert einen Blick, der sagt: "Ich kenne all deine kleinen Unzulänglichkeiten. An deiner Stelle würde ich jetzt lieber die Klappe halten und betreten weiter an der Cola schlürfen!"

Satis compotem mentis (unzurechnungsfähig)

Wer uns bei Instagram folgt, kann sich vielleicht noch an das Foto oben erinnern. Folgende Geschichte war Anlass zum 3. Teil dieser Blogserie. Gerade nachdem ich in Teil 2 Freya mit besagten Herzchen in den Augen in höchsten Tönen gelobt hatte, zeigte sie mir am darauf folgenden Tag, was sie von diesem Groupie-Gehabe hält.

Es war im Urlaub in Holland. Wir waren Gassi an einem dieser nicht ganz so schrecklich heißen Sommertage. Auf der Urlaubsrunde (wenn man es "Runde" nennen kann, denn meistens muss man in Holland denselben Weg auch wieder zurück), kamen wir immer über zwei Brücken. Auf der kleinen Runde Morgens ging es zur ersten und Nachmittags bzw. Abends zur zweiten.

An beiden Brücken wurde den ganzen Urlaub über konsequent gebadet. Grundsätzlich! Dasselbe auf dem Rückweg. Jeden Tag. Mehrmals. Auch wenn es gar nicht heiß war.

Nun war es an dem Tag eher windig und wird hatten ein halbwegs trockenes Zeitfenster für unseren Spaziergang gefunden. Wir sind die ganze Strecke bis zur zweiten Brücke und zurück bis wir wieder an der ersten angekommen waren, ohne dass die Hunde Anstalten gemacht hatten, baden gehen zu wollen.

Also überquerte ich, nichts Böses ahnend, die Brücke und lief weiter Richtung Ferienhaus. Erst nach ca. 50 m bemerkte ich, dass Püppi uns nicht folgte. Ich schaute mich um und sah sie in der Ferne auf der Brücke stehen und entsetzt in meine Richtung schauend. Während ich ihr zurief, sie solle mitkommen, drehte ich mich auch schon um und marschierte weiter gegen den Wind an.

Doch auch nach weiteren 50m regte sich der nun kleiner werdende Punkt auf der Brücke nicht von der Stelle. Ich rief noch einmal, jetzt etwas ungeduldiger. Nichts passierte! Püppi saß weiter auf der Brücke und starrte mit entrüstet nach.

​Ich war sauer und ging weiter, in dem festen Glauben, sie spielt nur ein Spiel und würde uns gleich wie eine Bescheuerte nachlaufen. Doch ich lag falsch! Als ich mich das nächste Mal umdrehte, war der Punkt verschwunden. Damit hatte ihr Dickkopf gewonnen!

Wie sich ein paar Minuten später heraus stellte, war sie lediglich auf der anderen Seite der Brücke in Deckung gegangen. Offensichtlich hatte ihr Spatzenhirn Eins und Eins zusammen gezählt und sich gedacht: "Wenn die mich sieht, wenn sie sich umdreht, bringt mir das nichts. Wenn ich tatsächlich so tue, als hätte ich mich aus dem Staub gemacht, dann wird sie kommen und mich holen!"​

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, welchen genauen Sinn diese Aktion hatte. Baden ist sie trotzdem nicht gegangen, denn sie kam direkt an die Leine, nachdem ich sie eingesammelt hatte. Trotzdem fühlte ich mich als Verlierer dieses Spielchens. 

Caput autem pignus (Head of Security)

Der Cane Corso hält sich für einen Schoßhund, dem gleichzeitig die Aufgabe des Beschützens und Bewachens seines Rudel aufgetragen wurde! Dabei muss man das gar nicht explizit sagen. Die Stimme im Hirn des Molossers pflanzt ihnen diese Aufgabe ins Unterbewusstsein. Bis auf wenige Ausnahmen ist es auch diese Stimme, auf die sie hören. Schließlich kann man von den Schutzbefohlenen nicht erwarten, dass sie eigenständige Entscheidungen treffen.

Hast du einmal die Freundschaft eines Cane Corso gewonnen, ist es gar nicht so leicht, sich diesem Schutzinstinkt zu entziehen. Denn trotz ihrer Größe und Masse passt ihr äußeres Erscheinungsbild nicht mit dem zusammen, wie sie sich selbst sehen. Wenn einer neben dir sitzt, wirst du es merken, denn er wird sich an dich lehnen und dich dabei langsam zur Seite schieben. Am besten noch drauf setzen, was die Püppi bei mir gern macht.

Diese Ahnungslosigkeit ergänzt sich perfekt mit der selbstgewählten Aufgabe des Cane Corso als Head of Security des Rudels. Was macht den Aufpasserjob effektiver und einfacher, als sich auf das Sicherungsobjekt drauf zu setzen? Am besten erdrückt man es einfach, dann ist es noch einfacher zu bewachen, weil es sich nicht mehr bewegen kann.

Überhaupt ist der Schutzinstinkt beim Cane Corso beeindruckend. So sehr sie sich am Anfang nicht für andere Menschen interessiert, wenn man erst einmal ihr Herz gewonnen hat, ist man nicht mehr sicher vor der endlosen Liebe der massiven Fellbündel.


Cane Corsos sind ja recht selten in Deutschland, deshalb frage ich jetzt nicht, welche Erfahrungen du mit dieser Rasse gemacht hast. Aber sicherlich kennt das jeder von seinem eigenen Hund, wenn das Weltbild (das der Hund oder andere Menschen haben) nicht mit der Realität zusammen passt.

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